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Neuerscheinungen (oder neu im Taschenbuch) 2012

Erika Schulz


An einem Tag in Paris (Ellen Sussman)

Eine leichte, schöne Liebesgeschichte, nein eigentlich sind es drei oder sogar vier, wenn man auch die Liebe zu der wunderschönen Stadt Paris, der "Stadt der Liebe", dazu zählt.
Drei Personen aus den USA haben das Glück, unabhängig voneinander Paris besuchen zu können und dabei einen privaten Sprachlehrer ganz für sich allein zur Verfügung zu haben, mit ihm bzw. ihr durch die Stadt zu schlendern, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, hier und da einen Café zu sich zu nehmen oder in einem guten Restaurant essen zu gehen, ganz wie man es selbst wünscht bzw. der Sprachlehrer es vorschlägt. Dabei soll, je nach eigenem Können, Französisch geübt werden, seien es nur Vokabeln, z.B. was man auf dem Markt kaufen kann, oder auch richtig in Form einer Konversation.
Eine sehr reizvolle Idee der Autorin, finde ich, die sich in Paris tatsächlich verwirklichen lässt.
Im ersten Kapitel werden die drei Privatlehrer vorgestellt, die alle etwa 30 Jahre alt sind und gut aussehen. Nicolas ist offen, charmant, einfühlsam und sehr von Chantal angezogen. Chantal ist eine elegante junge Frau, auch charmant, aber eher zurückhaltend; sie hat eine Affäre mit Philippe. Dieser ist ein durch den Job genervter egoistischer Macho, der an Frauen mitnimmt, was er kriegen kann. Chantal weiß das und leidet darunter.
Die junge Frau, die Nico an diesem Tag in Paris begleiten wird, ist Josie, eine junge, hübsche amerikanische Französisch-Lehrerin, still, durcheinander und sehr traurig, da sie vor einigen Wochen ihren Geliebten und den Job verloren hat. Mit dem einfühlsamen Nico kann sie darüber sprechen. Es tut ihr sehr gut, mit ihm unterwegs zu sein.
Philippe ist Rileys Lehrer. Sie lebt mit ihrem sehr beschäftigten Mann und dem kleinen Sohn Cole seit einem Jahr in Paris, hat dort ein Baby bekommen, die Liebe zu ihrem Mann verloren und hasst die Stadt inzwischen. Außerdem hat sie noch kaum ein Wort Französisch gelernt, obwohl sie schon längere Zeit bei Philippe, den sie sehr attraktiv findet, Unterricht hat. Aber sie weigert sich einfach Französisch zu sprechen. Heute gelingt es Philippe, mit Hilfe der französischen Vokabeln "Haus", "Schlafzimmer" und "..." eine gewisse Spannung aufzubauen und auszunutzen.
Für Chantal ist heute nach einer Woche der letzte Tag mit Jeremy, einem schon älteren, freundlichen, kultivierten Amerikaner, dessen Frau, eine international bekannte Schauspielerin, in der Stadt einen Film dreht. Er liebt seine Frau und ist verwirrt, sich plötzlich zu Chantal hingezogen zu fühlen.
Für alle sechs Personen bringt dieser Tag Erfahrungen und Einsichten, die Auswirkungen auf ihr weiteres Leben haben werden.
Ein leichter, schöner, teils trauriger, teils amüsanter Roman, in dem es der Autorin sehr gut gelingt, die Atmosphäre der Stadt und die Erwartungen und Gefühle der Personen darzustellen. Ich habe ihn mit viel Vergnügen gelesen.

Limes ISBN: 978-3-8090-2603-7
Gebunden 09/2012 14,99 Euro


Die hellen Tage (Zsuzsa Bánk)

An diesem Roman scheiden sich die Geister. Er ist seit Wochen auf der Spiegel-Taschenbuch-Bestsellerliste und wird in den Himmel gelobt - oder verrissen. Es ist kein Buch für jemanden, der vordergründige Spannung und viel Aktion braucht. Wer das von einem Buch erwartet wird sich sicher, zumindest zeitweise, langweilen.
Es ist ein ruhig und einfühlsam erzähltes Buch, in dem die aus Ungarn stammende aber deutsch schreibende Autorin mit treffenden Worten farbige, schöne Bilder malt von den hellen, sommerlich fröhlichen Tagen der Freundschaft dreier Kinder.
Die Ich-Erzählerin Seri freundet sich etwa im Vorschulalter mit Aja an, die mit ihrer Mutter Évi, einer ehemaligen ungarischen Artistin, in einem schiefen, immer offenen Häuschen am Rande der Stadt ein anderes, freieres Leben führt, als Seri mit ihrer Mutter und als alle, die Seri kennt. Die Sommer in Évis buntem, duftendem Garten sind eine wunderbare Zeit für die Mädchen. Und auch Herbst und Winter sind eine schöne , aufregende Zeit, denn da kommt Ajas sehnsuchtsvoll erwarteter Vater aus Amerika, werkelt im Haus und spielt und tanzt mit den Kindern, bevor er im Frühjahr unruhig wird und wieder in die Welt hinaus zieht, um als Artist den Unterhalt für sich und seine kleine Familie zu verdienen.
In einem der Sommer stößt zu den beiden Freundinnen der gleichaltrige Karl , der gar nicht zu ihnen zu passen scheint, den sie aber als natürliche Ergänzung ihrer Freundschaft empfinden. Karl und besonders seine traumatisierte Mutter leiden darunter, dass Karls jüngerer Bruder eines Tages in ein fremdes Auto gestiegen und seitdem verschwunden ist und dass es danach zur Trennung der Eltern kam.
Auch Ajas Mutter Évi, die scheu und manchmal ängstlich wirkt, scheint ein belastendes Geheimnis mit sich zu tragen. Ganz allmählich nur nehmen beide Frauen die behutsame Hilfe von Seris Mutter an, öffnen sich und helfen auch einander.
Die Freundschaft der Kinder geht über die Schulzeit hinaus. Sie studieren gemeinsam in Heidelberg und verbringen während des Studiums einige Monate gemeinsam in Rom. Dort kommt es erstmals zu Spannungen zwischen ihnen, an denen ihre Freundschaft zu zerbrechen droht.
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern es mir als Hörbuch vorlesen lassen. Und ich reihe mich bei den Fans ein! Ich finde es ist ein ruhiges, schönes , sehr gut geschriebenes Buch, eine wundersame, wunderbare Geschichte. Ich kann mir gut vorstellen, es noch einmal anzuhören.

Fischer ISBN: 978-3-596-18437-8
Taschenbuch 06/2012 9,99 Euro


Fegefeuer (Sofi Oksanen)

Estland 1992, nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und dem Abzug der russischen 'Besatzer':
Scheinbar zufällig verschlägt es die zerlumpte, verletzte Zara auf den Hof der alten Bauersfrau Aliide, die einsam außerhalb eines estnischen Dorfes lebt. Nur zögernd, fast widerwillig und voller Misstrauen, lässt Aliide die junge Frau in ihr Haus, bereitet ihr ein Bad und gibt ihr zu essen. Zara kommt aus Wladiwostok, mehr als 10.000 km entfernt. Sie spricht ein altes Estnisch mit russischem Akzent und wirkt verstört und gehetzt, als sei sie auf der Flucht. Bald zeigt sich, dass ihre Anwesenheit kein Zufall ist. Sie legt der mürrischen Alten ein Foto vor und stellt Fragen, die Aliide zwingen, sich an schlimme Geschehnisse in der Vergangenheit ihrer Familie unter sowjetischer Herrschaft zu erinnern.
Sofi Oksanen , 1977 in Finnland geboren als Tochter finnisch-estnischer Eltern, hat diesen hervorragenden, in 32 Sprachen übersetzten Roman im Alter von 31(!) Jahren 2008 geschrieben. Sie beweist damit ein außergewöhnliches literarisches Talent und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen.
Mich hat der Roman, der im April 2012 in der Taschenbuch-Ausgabe erschien, beim ersten Lesen vor einem Jahr von Anfang an gefesselt. Jetzt habe ich ihn zum zweiten Mal gelesen. Und wieder habe ich die Geschichte als sehr spannend und berührend, oft auch erschütternd empfunden und bin von der starken, dichten Sprache und dem klugen Aufbau beeindruckt.
"Ein literarisches Meisterwerk, das sich wie ein Krimi liest" (Alice Schwarzer)

btb ISBN: 978-3-442-74212-7
Taschenbuch 04/2012 9,99 Euro


Die Tigerfrau (Tea Obrecht)

'The tiger's wife', wie es im englischen Original heißt,ist nicht die eigentliche Protagonistin. Von ihr ist sogar erst in der zweiten Hälfte des Buches die Rede. Aber der Tiger-Mann spielt schon bald eine Rolle. Besonders für den geliebten Großvater der Ich- Erzählerin Natalia, die sich an die häufigen Spaziergänge an Großvaters Hand in ihrer Kindheit erinnert. Ritualhaft führten diese Gänge immer in den Zoo zum Käfig des Tigers.
Erst als junge Erwachsene, als der Großvater nur sie, die inzwischen junge Ärztin, über seine Krebserkrankung ins Vertrauen zieht und schließlich stirbt, versucht Natalia zu ergründen, woher sein großes Interesse am Tiger kam und was es mit den vielen an Mythen und Legenden reichen Geschichten auf sich hat, die er ihr früher erzählte. Sie reist auf seinen Spuren durch ihr inzwischen kriegszerstörtes und in Teile zerfallenes Heimatland, das ehemalige Jugoslawien, um zu begreifen, "welche Wahrheit über die Lebensrätsel ihrer Familie und ihrer versehrten Heimat" in Großvaters Geschichten steckt.
Gut geschrieben, anspruchsvoll in Sprache und Aufbau, interessante Darstellung des Zerfalls Jugoslawiens (das namentlich weder als Ganzes noch in seinen Teilen erwähnt wird) und der Folgen daraus. Das "schmerzlich-schöne Bild einer zwischen gestern und heute gefangenen, mythengläubigen Welt"? Ja! Lesenswert!

Rowohlt, ISBN: 978-3-87134-712-2
Gebunden 03/2012 19,95 Euro


Tschick (Wolfgang Herrndorf)

Maik, der Ich-Erzähler, 16 J., Gymnasiast, gut in Mathe, schüchtern, wenig beachtete Randfigur in der Klasse, aus protzig-neureichem Elternhaus, hält sich für einen Versager.
Tschick, neu in der Klasse, ebenfalls Randfigur, da "russischer Assi", aber voll cool, absolut ohne Minderwertigkeitskomplexe, macht was er will.
In den total öden, langweiligen Sommerferien hängen sie gemeinsam bei Maik zu Hause ab, bis Tschick mit einem geklauten, ollen Auto auftaucht und Maik zu einer herrlich verrückten, chaotischen Tour irgendwohin nach Südosten überredet. Obwohl wir als Leser gleich am Anfang erfahren, dass die Fahrt in einer Katastrophe endet, es wäre sonst auch fast unrealistisch, vergessen wir dies ganz schnell und folgen gespannt den Beiden auf ihrem abenteuerlichen Weg, fühlen und leiden mit ihnen, erleben mit ihnen merkwüdige Begegnungen, beängstigende Situationen, berührende Momente.
Gut, flott, einfühlsam geschrieben. Lesenswert für Erwachsene und Jugendliche.
Deutscher Jugendliteraturpreis 2011.

Rowohlt, ISBN:978-3-499-25635-6
Gebunden 11/2010 16,95 Euro
Taschenbuch 03/2012 8,99 Euro


Ab jetzt ist Ruhe (Marion Brasch)

Untertitel: "Roman meiner fabelhaften Familie".
Ironisch klingt der Untertitel zu dem autobiografischen Roman, in dem die Autorin von ihrer Kindheit und Jugend in ihrer außergewöhnlichen Familie erzählt. Die jüdischen deutsch-österreichischen Eltern wanderten während der Nazizeit nach England aus, wo der Vater sich dem Kommunismus zuwandte. 1945 wurde im Exil der erste Sohn geboren. Nach dem Krieg zog die Familie in den deutschen Osten. Der Vater machte Karriere in der SED und wurde schließlich stellvertretender Kulturminister der DDR. Zwei weitere Söhne wurden geboren, bevor 1961 die Autorin als Nesthäkchen zur Welt kam. Sie hatte es nicht leicht, Aufmerksamkeit und Zuneigung der anderen Familienmitglieder zu erringen. Die Mutter, aus wohlhabender Wiener Familie stammend, litt unter dem tristen, grauen Alltag in der DDR und ließ die Kleine ihren Ärger darüber spüren. Der beruflich sehr eingespannte Vater stellte auch in der Familie die Partei-Räson über alles. Die drei älteren Brüder, manchmal lieb und aufmerksam, widersetzten sich dem Vater, weigerten sich, in die Partei einzutreten, und verließen früh das Elternhaus. Sie machten sich einen Namen als kritische Schriftsteller, Dramatiker bzw. Schauspieler, auch über DDR-Grenzen hinaus. (Siehe dazu bei Wikipedia 'Thomas Brasch')
Während die Autorin ihre Familie oft eher zurückhaltend, mit einer gewissen Distanz beschreibt, - sie nennt nie ihre Vornamen -, erzählt sie offen und ehrlich über ihre eigenen Gefühle und Wünsche, ihre Erfahrungen in der Schule, über erstes Verliebtsein, die Lehrstellen-Suche, die wilde Zeit in der ersten eigenen Wohnung und schließlich, wie sie den Zusammenbruch der DDR erlebt.
"Mit überraschender Leichtigkeit erzählt die 'kleine Schwester' die dramatischen Ereignisse ihrer Familie - Erfolg, Revolte, Verlust -" und "folgt ihrem Weg durch Abenteuer und Wirren in die eigene Freiheit". (Zitate aus dem Klappentext)

S.Fischer ISBN: 978-3-10-004420-4
Gebunden 02/2012 19,99 Euro


Ein Sommer wie dieser (Anette Hohberg)

Klappentext: Es ist ein herrlicher Sommer. Klara und Stephan sind Anfang 20, als sie sich in Italien kennenlernen und ineinander verlieben - bis eine unglückliche Verkettung von Umständen sie trennt. Die Jahre vergehen, jeder führt sein eigenes Leben. Durch einen pikanten Zufall begegnen sie sich Jahrzehnte später wieder und entdecken, dass sie noch immer dieselben starken Gefühle füreinander haben. Doch Klara ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, und Stephan ist Single, Literaturprofessor und hat seine Affären. Sollen sie das wirklich alles aufgeben und den Sprung ins Ungewisse wagen? Es kommt der Tag, da müssen sie eine Entscheidung treffen ...

Rezension folgt.

Knaur ISBN: 978-3-426-65267-1
Gebunden 03/2012 14,99 Euro

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