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Neuerscheinungen 2011



Sand (Wolfgang Herrndorf)

Herrndorfs Buch "Tschick", die Geschichte zweier jugendlicher Außenseiter, die in einem geklauten Auto auf Tour gehen, und das zum Überraschungserfolg des Jahres 2010 wurde, habe ich mit Vergnügen gelesen. Der Autor wurde dafür mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Ich war deshalb gespannt auf das neue Buch "Sand", das meinen Mann begeisterte. Er fand es noch besser als "Tschick".
Doch dann war ich zunächst enttäuscht. Das nach Herrndorfs Einteilung "Erste Buch: Das Meer" packte mich nicht. Es versetzt uns Leser in eine kleine Stadt zwischen Meer und Wüste in einem nordafrikanischen Land. Wir erleben, wie die Sonne aufgeht, und indem der Autor alles, was sie auf ihrem Weg in die Höhe nacheinander anstrahlt, beschreibt, gewinnen wir einen guten, atmosphärischen Eindruck von dieser Stadt. Das ist sehr gut geschrieben. Und sehr treffend knapp und auch amüsant, geht es weiter beim Kennenlernen der wichtigsten Personen des Buches: einem etwas unterbelichteten Kriminalkommissar, der mit seinen leicht chaotischen Mitarbeitern einen Raubüberfall mit Mord in einer Hippie-Kommune aufklären soll, die Bewohner der Kommune, den naiven Raubmörder und einige andere, auch die mit einem Schiff ankommende Amerikanerin Helen Gliese, blond, schön und dumm, wie es scheint, die ihre Freundin in der Kommune besuchen will.
All das ist wirklich treffend und teilweise amüsant geschrieben, aber die Geschichte hat mich bis dahin nicht gereizt.
Dann im "Zweiten Buch: Die Wüste" geht es los! Da wird es sehr spannend! Wir lernen die Hauptperson des Buches kennen. Es ist ein Mann mittleren Alters mit dunklen Haaren, der am Kopf verletzt ist, auf dem Dachboden eines einsamen Hauses in der Wüste liegt und das Gespräch von vier Arabern draußen versteht, also arabisch sprechen kann. Das ist alles was er von sich weiß. Er weiß genauso wenig wie wir, wer er ist, wie er heißt, wo er zu Hause ist, ob er Familie hat, was er beruflich macht, wie er auf diesen Dachboden gekommen ist und wer ihm die Kopfverletzung zugefügt hat, durch die das Wissen um seine Identität ausgelöscht wurde.
Das ist interessant: Auf dem gleichen Wissensstand wie er zu sein und mit ihm herauszufinden, wer er ist. Erst mal vom Dachboden runter, (schon ein schwieriges "Level"), sich in der Wüste orientieren, eventuellen Verfolgern ausweichen und sich panisch vor realen Verfolgern verstecken, die mit dem Jeep über die Dünen preschen (Action-Film-Szenen); auf eine Straße stoßen und sich von einer Frau mitnehmen lassen (übrigens besagter Helen Gliese), die einem die Geschichte nicht glaubt, aber einen doch auf einige Möglichkeiten hinweist; erkannt werden, ohne Genaueres über sich zu erfahren; einen Auftrag erhalten, ohne genau zu wissen, was da von ihm erwartet wird; gefangen werden, fliehen, in wilde Schießerei geraten.
Abwechslungsreich, teils humorvoll, teils brutal, spannend, fesselnd, unterhaltsam und einfach sehr gut geschrieben.

Rowohlt, ISBN: 978-3-87134-734-4
Gebunden 11/2011 19,95 Euro


Als der Tag begann (Liz Murray)

Die heute 31-jährige Autorin erzählt die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend, in der sie und ihre ältere Schwester als Kinder drogenabhängiger Eltern ständig am Existenzminimum lebten. Katastrophale hygienische Verhältnisse, ungesunde, kaum ausreichende Ernährung, emotionale Wechselbäder zwischen überschwänglicher Zuwendung und völliger Gleichgültigkeit der überforderten, süchtigen Eltern, nur sehr sporadischer Schulbesuch und die Angst, den Eltern weggenommen und ins Heim gesteckt zu werden, bestimmen ihr Leben. Als die Mutter an Aids erkrankt, kann Liz dies kaum verkraften. Es folgen ein schrecklicher Heimaufenthalt und dann ein Leben auf der Straße, ohne Schulbesuch, mit Schnorren und Übernachten bei wechselnden Freundinnen und Freunden. Sie ist sechzehn, als ihre Mutter stirbt und ihr klar wird, dass sie so nicht enden will. Sie findet eine besondere Highschool, in der aus der Gesellschaft gefallene Jugendliche von sehr engagierten Lehrern mit speziellem Lehrplan unterrichtet werden. Zum ersten Mal fühlt sie sich von Erwachsenen wirklich angenommen und unterstützt. Mit viel Kraft und Ehrgeiz holt sie in relativ kurzer Zeit Versäumtes nach, schafft ihren Abschluss mit Auszeichnung, erwirbt ein Stipendium der New York Times und kann so an der Harvard University studieren.
In einer schlichten Sprache berichtet Liz Murray ausführlich und ehrlich über Ängste und kleine Freuden, Verzweiflung und Wut, Mutlosigkeit,Gleichgültigkeit, Hoffnung und Wünsche, Freundschaft, Unterstützung und Kraft, die ihr bisheriges Leben begleiteten und prägten.
Ein beeindruckendes, sehr berührendes, lesenswertes Buch!

Diana Verlag, ISBN: 978-3-453-29108-9
Gebunden 04/2011 19,99 Euro


Die Zeit der Wunder (Anne-Laure Bondoux)

Dieses Buch ist wie ein besonders schöner Stein, den man am Strand findet, oder sogar ein ungeschliffener Bernstein, teils glatt, teils rau und leuchtend. Ein kleiner Junge erlebt Schönes, Trauriges, Beängstigendes, Armut, Hunger, Kälte, aber dies wird erträglich und wird überwunden durch menschliche Wärme, durch Liebe, Hoffnung, Zuversicht und Kraft und die Verwirklichung eines Traums.
Der Junge Koumail erzählt in Ich-Form von seiner Flucht aus den von Befreiungskriegen geschüttelten Ländern im Kaukasus. Er träumt davon, nach Frankreich zu kommen, ins Land seiner Mutter. Seine ersten Erinnerungen reichen ins Jahr 1992 zurück. Da ist er sieben Jahre alt, schon länger unterwegs und vorübergehend untergekommen in einem großen Haus in einer fremden Stadt mit anderen Flüchtlingsfamilien und vielen Kindern. Es ist die schönste, verspielteste Zeit seiner Kindheit. Diese Zeit endet plötzlich, als Rebellen die Stadt unsicher machen und alle Bewohner des Hauses in alle Richtungen fliehen müssen. Koumail ist nicht allein auf seiner Flucht. Gloria (27 J.) nimmt ihn an die Hand und versorgt und behütet ihn sehr liebevoll. Sie beide verbindet eine ganz besondere Geschichte, die Gloria ihm jeden Abend vor dem Einschlafen erzählen muss: Wie sie, als sie 20 Jahre alt war, ihn bei einem schrecklichen Zugunglück in der Nähe ihres Dorfes gefunden hat. Er lag unverletzt in den Armen seiner schwerverletzten Mutter, einer Französin namens Jeanne Fortune, die Gloria das Baby und zwei französische Reisepässe reichte, mit der Bitte, sich um ihren Sohn, den kleinen Blaise Fortune, zu kümmern. Die Mutter wurde in ein Krankenhaus gebracht. Gloria hat sie nie wieder gesehen. Sie nimmt den Kleinen mit in ihr Elternhaus und kümmert sich von nun an mit großer Liebe und Fürsorglichkeit um ihren "kleinen Monsieur Blaise". Nie lässt sie ihn vergessen, dass er französischer Staatsbürger ist, dass dieser Krieg ihn nichts angeht, und dass sie ihn nach Frankreich zu seiner Mutter begleiten wird.

Carlsen ISBN: 978-3-551-58241-6
Gebunden 02/2011 12,90 Euro


Gute Geister (Kathryn Stockett)

Situation der Farbigen um 1960 im Süden der USA. Gute Geister sind die armen, rechtlosen, schwarzen Bediensteten in den Häusern der reichen Weißen, die Missachtung und Demütigung ertragen müssen. Eine junge Frau sammelt unter größter Geheimhaltung und mit viel Angst auf beiden Seiten die Lebens-Geschichten einiger schwarzer Frauen, um sie zu veröffentlichen und so für eine Verbesserung ihrer Situation zu kämpfen. Lesenswert!

btb, ISBN 978-3-442-75240-9
Gebunden 3/2011 21,99 Euro
Jetzt auch als Taschenbuch ISBN 978-3-442-74508-1
TB 09/2012 9,99 Euro


Die Honigfrau (Agnes Flügel)

Die junge Autorin, Redakteurin in einem Hamburger Verlag, war erschöpft und durch beruflichen Stress sehr belastet, in ihr Wochenendhaus an der Ostsee geflüchtet. Zur Ruhe gekommen wird ihr bewusst, dass sie so nicht will und kann.Als sie einem alten Imker begegnet, ihn einige Male bei der Arbeit mit den Bienen begleitet und sehr viel über die Bienen erfährt,beschließt sie, selbst Imkerin zu werden. Sie zieht sich allmählich aus dem Verlag zurück und kauft und renoviert mit ihrem Mann ein altes Haus am Ostseestrand bei Eckernförde. Nachdem sie einige Zeit Erfahrungen mit ihrem Bienenvolk gesammelt hat, auch aus Rückschlägen lernen musste, wagt sie sich daran, die "Honigmanufaktur Flügelchen" zu gründen. Mittlerweile vermarktet sie übers Internet erfolgreich in ganz Deutschland ihre Honigkreationen.
Gut geschrieben, mit viel Information über die Honigproduktion, das Leben der Bienen und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft.

Ludwig-Verlag, ISBN: 978-3-453-28028-1
Gebunden 07/2011 19,99 Euro


Das Meer in Gold und Grau (Veronika Peters)

Die knapp 30-jährige Katia braucht nach Verlust des Jobs, der Beziehung und der Wohnung dringend eine Auszeit. Die will sie sich im Hotel der ihr bisher unbekannten Tante nehmen. Das urgemütliche Haus direkt am Ostseestrand und seine betagten Mitarbeiter nehmen sie mit offenen Armen auf, alle - bis auf ihre ruppige Tante. Es dauert, bis diese sie akzeptiert und ihr Zuneigung entgegenbringt.
Mit knapper, aber doch treffender Sprache und schönen Bildern gelingt es der Autorin, die besondere Atmosphäre des Hauses ( sie hat sich übrigens das Hotel "Genueser Schiff" bei Howacht zum Vorbild genommen) und seiner herrlichen Lage an der See einzufangen und uns mit ihren liebenswerten, etwas verschrobenen Bewohnern vertraut zu machen.

Goldmann ISBN: 978-3-442-31168-2
Gebunden 08/2011 19,99 Euro


Zaira (Catalin Dorian Florescu)

Der in Rumänien geborene und 15jährig mit seinen Eltern in die Schweiz geflüchtete Autor lässt in Romanform die Ich-Erzählerin Zaira ihre Geschichte erzählen. Die eigenwillige Rumänin wächst als Kind auf dem großen Gutsherrenhof ihrer Großeltern auf. Sie erlebt, wie nach der Machtübernahme durch die Kommunisten ihre Familie missachtet, bespuckt und bedroht wird. Als junge Erwachsene entdeckt sie ihre große Begabung als Puppenspielerin. Sie verliebt sich in ihren Kollegen Traian und wird von ihm schwanger. Obwohl sie ihn weiterhin liebt - sie wird dies ihr Leben lang tun - , wendet sie sich von ihm ab, da er nicht aufhören kann zu trinken. Über die Geburt ihrer Tochter informiert sie ihn nicht. Sie erlebt eine merkwürdige Beziehung mit einem hohen Funktionär. Sehr viel später heiratet sie einen Hochschul-Dozenten, der sie beharrlich umwirbt. Durch provozierende Äußerungen in ihrem Puppenspiel, macht sie sich bei den kommunistischen Machthabern unbeliebt. Um der zunehmenden Bedrohung zu entgehen, flieht sie schließlich mit Mann und Tochter über Prag in den Westen. Ankunft und Aufbau eines auskömmlichen Lebens in den USA werden ihnen nicht leichtgemacht. Und immer begleitet sie die Sehnsucht nach ihrer unvergessenen Liebe, Traian.
"Florescu gelingt die Charakterstudie einer Frau auf ihrer Gratwanderung zwischen Stolz und Sturheit, zwischen Mut und Hochmut." (Klappentext: Christoph Schröder auf 'Spiegel online').
Am Ende des Buches bedankt sich der Autor unter anderem bei Zaira, was den Eindruck zu vermitteln scheint, dass sein Buch auf den Erlebnissen einer realen Person basiert. Die gute, stilvolle, lebendige Darstellung dieser eigenwilligen, leidenschaftlichen Frau vor dem geschichtlichen Hintergrund Rumäniens in der Zeit von 1930 bis 1968 macht das Buch absolut lesenswert!
"Ein hervorragendes, schönes Zeugnis der Literaturlandschaft Mitteleuropas." Klappentext: J. Holzner

dtv ISBN: 978-3-423-13829-1
Taschenbuch 12/2009 9,90 Euro


Toter geht's nicht (Dietrich Faber)

Amüsanter Krimi aus der Vogelsberg-Gegend in Hessen, mit einem etwas unwillig- lustlosen Kommissar (Ich-Erzähler) und seiner taffen, jungen Kollegin. Er leidet unter der Abwesenheit seiner Frau,( die eine Auszeit braucht und verschwunden ist), der Aufmüpfigkeit seiner pubertären Tochter, den Problemen seines fünfjährigen Sohnes (der nicht mehr spricht, ins Bett macht, im Kindergarten aggressiv wird, seit die Mama weg ist), einem blöden Kollegen, der nur dumme Sprüche drauf hat, und darunter, dass ausgerechnet jetzt auch noch ein Mord passiert. Amüsant und unterhaltsam.

Rowohlt ISBN: 978-3-86252-024-4
Gebunden 01/2011 13,95 Euro

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