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Reise durch Armenien - Oktober 2012 (Birgit Richter)

" Warum gerade Armenien ?" Diese Frage wurde vielen Teilnehmern unserer Reisegruppe aus dem Kirchkreis Plön gestellt, die unter Leitung von Elisabeth und Prof. Dr. Friedhard Zastrow Anfang Oktober dorthin aufbrachen.
Armenien ist das erste Land der Welt, in dem der christliche Glaube Staatsreligion wurde. Schon 301 n.Chr. wurde die armenisch-apostolische Kirche gegründet.


Edschmiatsin

Das religiöse Zentrum ist die alte Königsstadt Varghaschapat, heute Edschmiatsin. Auf den Ruinen eines heidnischen Tempels errichtete Grigor der Erleuchtete Anfang des 4. Jh. eine Kirche, die zum Sitz des Patriarchen = Katholikos wurde. Die Kathedrale inmitten einer großen Anlage war für uns sehr eindrucksvoll.

Monumentaler Eingang



Die Kathedrale

Gut besucht war die Messe, der wir teilweise beiwohnen konnten. Hörenswert und nicht fremd für uns war die armenische Kirchenmusik, feierlich die Gesänge des Chores und der Solostimmen, betäubend waren nur die starken Weihrauch-schwaden. Wir hatten Zeit, die Zeremonie des Gottesdienstes und das Innere der Kathedrale auf uns wirken zu lassen. Beachtlich waren die Größe der Rotunde aus 8 Säulen und die 2 Altäre. Einige erhaschten noch einen Blick auf den anwesenden Katholikos. Er ist im Gegensatz zum Papst in der katholischen Kirche nicht unfehlbar und kann auch wieder abgesetzt werden.

Erste Kirchen aus dem 7. Jhdt.

Diese große Anlage und die 3 umliegenden Kirchen aus dem 7. Jh. gehören zum Weltkulturerbe.

Geographische Lage

Das heutige Staatsgebiet Armenien ist ein Hochland von ca. 1800 m Höhe. Alle Gebirgsketten erreichen eine Höhe von über 3000 m. Wo die Niederschlagsmenge ausreichend ist, wird auf dem Vulkanboden Ackerbau betrieben, ein Viertel der Fläche kann als Weideland genutzt werden. Seit Jahrhunderten wächst dort Obst wie z.B. die Aprikose, die auch "armenische Pflaume" genannt wird. Besonders am Sevansee, dem größten Binnensee Armeniens, wird Wein angebaut. Den haben wir auch probiert, er traf aber nicht immer unseren Geschmack. Dafür umso mehr das Bier, der Aprikosenschnaps und der armenische Cognac.

Der große und der kleine Ararat

In Eriwan hatten wir von unserem Hotel aus einen weiten Blick auf die kahlen Hügel und Berge ringsherum. Die Hauptstadt Armeniens mit ihren 1 Million Einwohnern liegt in der Ararat-Ebene, ca. 1000m ü.N.N. zwischen den beiden Bergen Aragat im NW (4000 m) und dem Hl. Berg Ararat im SW (5165 m), der jetzt in der Türkei liegt. Morgens konnten wir häufig den schneebedeckten Kegel des Ararat begrüßen. Nach Auslegung der Bibel soll dort die Arche Noah gelandet sein, was wissenschaftlich nicht bewiesen ist. Dass dieses Heiligtum nicht mehr in ihrem Land liegt, schmerzt die Armenier sehr.

Eriwan

Die Hauptstadt Eriwan macht mit ihren Prachtstraßen, den großzügig angelegten Parks und Plätzen, z.B. dem Platz der Republik, einen sehr westlichen Eindruck, der durch die Staus im Feierabendverkehr noch verstärkt wird. Ins Auge stechen auch viele exklusive Modegeschäfte. Der Einkauf dort bleibt einer priviligierten Minderheit vorbehalten.

Die Kaskaden

Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist arm. Die Arbeitslosigkeit beträgt 30%, im ländlichen Bereich sogar bis 50%. Nach offiziellen Angaben lebt die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Viele Familien werden von der Kirche unterstützt, viele auch durch Verwandte, die in der Diaspora leben. Die Zahl der in der Diaspora lebenden Armenier ist ebenso hoch wie die Einwohnerzahl Armeniens : 3-4 Millionen .

In Eriwan sind die Kaskaden sehenswert.

Wunderbare Grünanlagen

Dieses 100m hohe Bauwerk, das man auf marmorweißen Stufen erklimmen kann, zeigt in Ausstellungsräumen Moderne Kunst und sehr schönes Kunsthandwerk. Der große Erholungspark davor gibt ebenfalls einen Einblick in die Kunstrichtungen Armeniens.

Weltberühmtes Schriftenmuseum

Besonders beeindruckend ist das Schriftenmuseum "Matenadaran", d.h. Bibliothek. Hier werden in erster Linie alte, kostbare Handschriften, auch aus dem Ausland, aufbewahrt und ausgestellt. Faszinierend sind die armenischen Miniaturen mit ihren vielen Besonderheiten und Einmaligkeiten. Für Wissenschaftler aus aller Welt ist diese Bibliothek eine Quelle alten Wissens auf allen Gebieten.

Gedenkstätte zur Erinnerung an den Genozid

Außerhalb der Stadt Eriwan liegt auf einem bewaldeten Hügel
die Gedenkstätte Tsitsernakaberd.

Tsitsernakaberd

Schon von weitem sieht man einen Basaltobelisken, der die Wiederherstellung des armenischen Volkes symbolisiert. Große kreisförmig angeordnete Basaltstelen schützen in ihrer Mitte das ewige Feuer. Diese Stätte erinnert an den Völkermord 1915, bei dem eineinhalb Millionen Armenier umgekommen sind.

Museum

Die"Mauer des Schweigens" dort erinnert an die ehemals armenisch besiedelten Dörfer und Städte in der Türkei. Die Bewohner wurden von dort vertrieben und umgebracht. Dieser Völkermord wird in der Türkei zum größten Teil heute noch geleugnet. Das Museum in der Nähe zeigt Photos und Dokumente zu diesem schrecklichen Ereignis. Sie erinnern sehr an die Verbrechen, die in der Nazizeit in Deutschland an den Juden begangen wurden.

Kloster Hagharzin im Südkaukasus

Nach 6 Tagen Aufenthalt in Eriwan führte uns unsere Rundreise an vielen bemerkenswerten Klöstern vorbei nach Norden in den Südkaukasus. Eine kleine Wanderung durch den gefärbten Herbstwald führte uns zu dem im Tal liegenden Kloster Hagharzin.

Die tägliche 10-Minuten-Andacht

Auch hier hat Pastor Friedhard Zastrow seine tägliche kurze Andacht gehalten, diesmal mit Unterstützung und Gesang des Popen.

Am Sevansee

Von Dilidjan aus, unserem nördlichsten Quartier, führte unser Weg in den Süden am Sevansee vorbei, der 1900 m hoch liegt. Durch Absenken des Wasserspiegels um 18 m stehen jetzt die Sevankirchen nicht mehr auf einer Insel, sondern auf einer Halbinsel. Um sie zu besichtigen, mussten 230 Basaltstufen überwunden werden.

Kloster Tathev

Von unserem südlichsten Aufenthaltsort, der Stadt Goris, unternahmen wir bei strahlendem Wetter eine besondere Fahrt zum Kloster Tathev, das aus dem 9. Jh. stammt. Es liegt auf einem Fels-vorsprung umgeben von Schluchten, die geformt wurden vom Vorotan-Fluss.

Klosterhof mit Mariagotteskirche

Seit 2010 ist das Kloster bequem zu erreichen mit einer 5,7km langen Seilbahn. Es ist die längste Seilbahn der Welt! Für einige Teilnehmer war diese Fahrt eine persönliche Herausforderung. Belohnt wurde diese Überfahrt mit einem atemberaubenden Blick über die bewaldeten Hügel und die kahlen Gebirge, über die Täler, kleinen Dörfer und beeindruckende Schluchten!

Mauer der Hauptkirche Peter und Paul

Dieses Kloster wurde im Mittelalter durch seine Universität berühmt, besonders durch die Schule der Miniaturmalerei. 2 der Miniaturen sind welt-berühmt : Das Evangelium aus dem Jahre 1297 und eine Handschrift der Psalme von 1203. Beides kann im Matenadaran in Eriwan besichtigt werden.

Steinkreis

Auf der Rückfahrt von Goris wieder nach Eriwan kamen wir an einem großen Steinkreis vorbei, einer prähistorischen Kultstätte. Die Löcher in einigen Stelen deuten auf astronomische Beobachtungen im 12.Jh. v.Chr. hin. Diese Steinstelen werden auch Vischap genannt =Drache

Der heilige Berg

Vom Kloster Chor Virap hatten wir einen wunderbaren Blickauf den großen Ararat.

Der Innenhof des Klosters



Blick auf türkisches Gebiet

Wir konnten lange die beiden schneebedeckten Berge in der untergehenden Sonne betrachten, in ständig sich veränderten Lichtverhältnissen und mit immer neuer Wolkenbildung. Getrübt wurde dieses Bild durch die vor uns gut sichtbare Stacheldrahtgrenze zur Türkei, durch die Wachtürme und durch den Grenzweg entlang des Grenzflusses Arax.

Höhlenkloster Geghard

Ein wunderschöner letzter Ausflug führte uns zum Höhlenkloster Geghard, das im 4. Jh. auf einer heidnischen Kultstätte gebaut und in den Felsen hineingetrieben wurde.In vorchristlicher Zeit haben hier die Menschen sich aus dem weichen Vulkangestein Höhlen geschlagen und in der Nähe des Azatflusses einen Quellenkult betrieben.
Das Kloster gehört zum Weltkulturerbe.

Konzert

In der ersten Felsenkirche hörten wir Teile der Liturgie und ein Lied aus dem Mithraskult , gesungen von einem armenischen Acapella Vokal-Quintett. Es war ein wunderbarer Klang in dieser kleinen von Säulen getragenen Kuppelkirche.

Wunderschöne Kreuzsteine = Chatsch'khare

Herausragend waren in dieser Klosteranlage die ganz besonders verzierten Kreuzsteine = Chatschkhare genannt. Die Fußböden, die Säulen, die Wände und die Türbögen waren damit künstlerisch ausgeschmückt.

Wandschmuck

Zu Beginn des Christentums wurden einfache Kreuze auf heidnische Kultplätze aufgestellt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie reich verziert mit Ornamenten. Später kamen verschnörkelte Lebensbäume, mehrere kleine Kreuze und Darstellungen von Heiligen hinzu. Besonders aufwendige Steinmetzarbeiten zeigen die Erlösersteine, die Jesus Christus darstellen und biblische Szenen.

Kapitelle

Jeder Chatschkhar ist besonders und ist oft verbunden mit einer Geschichte oder Sage. Sie haben über 40 verschiedene Bedeutungen, u.a. sind sie auch Grenzsteine und Zeichen für siegreiche Schlachten. Sie stehen für Gebete und die Rettung der Seele. Sie sind das erste Zeichen einer neuen ( christlichen ) Religion.

Kloster Noravank

Diese Steine begeisterten uns auch im Kloster Noravank!
Die Klosteranlage wurde im 13. Jhdt. durch die Familie Orbeljan, der Prinzen von Sjunikh, errichtet und steht besonders im Zeichen des Heiligen Täufers.

Novarank

Türbogen mit kunstvoller Steinmetzarbeit

Türbogen: Symbolik der Dreifaltigkeit

Gestalt Gottes in der Mitte, der gekreuzigte Jesus und der Heilige Geist als Taube rechts in der Ecke.

Die Lage Armeniens: 1. Geologisch

Armenien lebt gefährlich: 2 Kontinentalplatten treffen aufeinander, die europäische und die asiatische. Die Auswirkungen der Verschiebungen dieser Platten hat das Land erst 1988 durch ein schweres Erdbeben erlebt, das die Stärke 9! auf der Richter-Skala hatte. Tiefe Gräben durchziehen das Land. Viele Risse und große Schäden an Gebäuden sind heute noch zu sehen.

2. Politisch

Aber auch die politische Situation ist schwierig: 1915 wurden die Armenier Opfer eines Genozids; von 1918 bis 1920 erster Versuch, eine Demokratie aufzubauen; nach der Einverleibung Armeniens 1920 durch die Sowjetunion wurde das Land erst 1991 unabhängig nach dem Zerfall der UDSSR. Nach antiarmenischen Ausschreitungen in Berg- Karabach, einem armenischen Siedlungsgebiet in Aserbaidschan, entstand von 1992 bis 1994 ein Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien, der mit einem Waffenstillstandsvertrag endete und der heute noch gilt. In diese Zeit fiel eine Blockade, die Armenien in größte wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte.

Ich hoffe, dass dieser Bericht die Frage beantwortet, "Warum gerade nach Armenien?" Vielleicht sind einige Leser neugierig geworden, dieses interessante Land selbst einmal kennenzulernen.
Birgit Richter
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