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Bootstour auf dem Canal du Midi, Teil 1

Von Latte bei Montpellier bis Béziers.


Ferienanlage Lattes südlich von Montpellier

Hier befindet sich die Basis des Vercharterers 'Locaboat', bei dem wir dieses Boot gechartert haben. Der Bootstyp ist eine Penichette, deren Rumpf den Penichen nachempfunden ist, den alten Frachtschiffen, die früher die Kanäle Frankreichs befuhren.

Alle Boote der Firma Locaboat und anderer Vercharterer auf dem Canal du Midi können ohne Sportbootführerschein gefahren werden!

Unsere Penichette 'ARGENS' ist alt und verschrammt, aber recht gemütlich. Im Heck befindet sich der Salon mit Esstisch, Eckbank, Küchenzeile und großen Fenstern rundum, die immer beste Aussicht übers Wasser bieten. In der Mitte ist, zwei Stufen erhöht und offen zum Salon, der Innensteuerstand. Vorn im Bug liegen 4 Stufen tiefer die beiden Schlafkabinen mit je zwei Kojen und ein kleines Bad.
Das beste an unserer kleinen Penichette ist der hohe, freie Steuerstand auf dem Dach des Salons, mit zwei Plastikstühlchen aber ohne Tisch. Wir fahren noch mal los und kaufen in einem riesigen Supermarkt in Montpellier ein passendes rundes Tischchen.
Wieder an Bord erklärt uns ein Techniker alles, was wir wissen müssen. Der Motor wird gestartet, hört sich gut an. Eine Probefahrt ist wegen Toms Sportbootführerschein und unserer Bootserfahrung nicht nötig.

Der Canal du Midi

Zwölf Tage, vom 10. bis zum 24. Mai, haben wir Zeit für unsere Canal-Tour in Südfrankreich.
Wir starten am 11.5. von LATTES mit einem Abstecher nach Osten, auf dem CANAL du RHÔNE à SÈTE nach Aigues-Mortes.
Am 12.5. geht es dann westwärts bis Sète, dann über den ÉTANG de THAU und an dessen Ende endlich in den
CANAL du MIDI:

300 km kurvige, baumbestandene Strecke mit 64 Schleusen durch schöne Landschaft und an interessanten Städten und Dörfern vorbei liegen dann vor uns, bis wir das Boot in NEGRA wieder abgeben müssen.

11.5.: Von Lattes nach Aigues-Mortes

Durch ein Hafentor verlassen wir am Pfingstsonntag Lattes und schippern auf das Flüsschen Lez hinaus. Gleich hinter der Brücke drehen wir probehalber eine 360°-Runde. Klappt gut!

Weniger gut klappt es in der ersten Schleuse! Sie ist kameraüberwacht und ferngesteuert und wir müssen uns telefonisch zum Schleusen anmelden,- auf französisch natürlich. Das dauert etwas. Als wir schließlich in der Schleuse sind, schaffen wir es nicht rechtzeitig, die Achterleine über den Poller zu werfen, und prompt liegt unsere 'Argens' quer im Becken, peinlich!
Das fängt ja gut an!

Durch die Camargue

Die Strecke auf dem C.d. Rhône à Sète, auf den wir bald nach links einbiegen, ist schnurgerade und hat rechts zum Meer hin einen Deich; gut zum Üben für Unerfahrene, für uns aber eigentlich langweilig, hätten wir nicht links immer wieder einen Blick auf den westlichsten Ausläufer der Camargue und einen großen Étang (Strandsee) dahinter.

Ein bischen aufregend wird es, als wir die ersten Flamingos sehen! Und halbwilde Camargue-Pferde, gar nicht scheu!
Puschelige Esel und schwarze Stiere sind zwischen Tamarisken-Sträuchern zu entdecken! Und was sind das denn für exotisch bunte Vögel mit langen gegabelten Schwänzen, die wie Uferschwalben vor einem kleinen Stückchen Steilküste herum-schwirren und in Brutgängen verschwinden? Bienenfresser? Ja!! Toll!

Auf Aigues-Mortes zu

Schon aus großer Entfernung sehen wir in der flachen Landschaft dieses merkwürdig dicke, runde, fensterlose Gebäude mit Türmchen drauf. Es ist der TOUR de CONSTANCE (1250 vollendet), größter Eckturm der Stadtmauer von AIGUES-MORTES, Symbol königlicher Herrschaft und Stärke, in dem während der Hugenotten-Verfolgung (1685 bis 1770) immer wieder Protestanten eingesperrt wurden.

Die mittelalterliche Festungs- und Hafenstadt

Wir kommen von unten. Schräg links verläuft der C. d. Rhône à Sète weiter bis nach Nimes und in die Rhône.

Im Bootshafen rechts vor der Stadtmauer legen wir an und besichtigen die beeindruckende, sehr gut erhaltene Stadt.

Ihren Namen erhielt die Stadt, weil sie in römischer Zeit und auch noch bei ihrer Gründung von "aquae mortuae" umgeben war, also 'Toten Wassern' in form von Krankheit erregenden Sümpfen .


Die Camargue ist übrigens für Frankreich die Hauptregion der Meersalzgewinnung. Auf dem Bild sind rechts oben einige Becken zu erkennen.

Saint Louis IX , Gründer der Stadt

Im Jahre 1240 ruft Papst Innocenz IV die Herrscher Europas zu einem weiteren KREUZZUG auf. Der französische König LOUIS IX erklärt sich bereit, das Kommando für die Expedition zu übernehmen. Da Frankreich aber bis dahin nicht über einen geeigneten Einschiffungshafen verfügt, lässt er die befestigte Stadt AIGUES-MORTES mit einem großen Hafen erbauen.
1248 bricht er von dort mit mehreren Schiffen und vielen Kreuzrittern samt Fußvolk auf zum 7. Kreuzzug, um Jerusalem zurückzuerobern.
Aus diesem Grund geht er als SAINT LOUIS (Ludwig der Heilige) in die Geschichte ein.

Als er sich 1270 zum 8. Kreuzzug erneut in Aigues-Mortes einschifft, stirbt er kurz darauf an Typhus. Hat er sich den Thyphus-Erreger aus den "aquae mortuae" geholt?

Die sehr hohe und dicke Stadtmauer...

...machte AIGUES-MORTES uneinnehmbar.

Bei diesem herrlichen Wetter heute am Pfingstsonntag herrscht natürlich viel Touristen-Trubel in den schmalen Gassen, auf hübschen Plätzen, in Galerien, Kunsthandwerk- und Spezialitätengeschäften und vor Cafés und Restaurants.

Wir bummeln ausgiebig und beschließen dann, abends nicht hier in einem vollen Restaurant zu essen, sondern draußen an einem schönen Camargue-Plätzchen, das wir auf der Herfahrt gesehen haben, zu picknicken und zu übernachten.

Unser Camargue-Übernachtungsplatz

Anders als in Deutschland kann man auf den meisten französischen Kanälen an jeder mit dem Boot gut zu erreichenden Stelle festmachen.
Dazu werden die Festmacherleinen entweder an einem Baum oder Strauch festgebunden oder an ca. 60 cm langen Metall-"Nägeln", die man möglichst tief in den Boden schlägt.

Hier hängen wir vorn am Nagel und hinten am Strauch.

Als wir uns am späten Abend nach einem Mückenangriff (dem einzigen der Reise!) zum Lesen ins Boot zurückgezogen haben, kommt unter der Kiefer hervor eine Rasselbande über den kleinen Deich geklettert, kuckt neugierig in unser Boot, und ein freches Kerlchen zupft dann doch tatsächlich am hinteren Festmacher herum! Es sind 7 puschelige, niedliche, kleine Esel! Herrlich!

Mmh, leckeres französisches Picknick!

Aber erstmal Picknick. Unsere leichten Terrassen-möbel und alle in Aigues-Mortes erstandenen leckeren Sachen sind schnell vom Boot und über den Deich getragen.
Und dann genießen wir!

12.5.: Nach Sète, über den Étang de Thau bis zum Beginn des Canal du Midi

Die Strecke auf dem CANAL du RHÔNE à SÈTE ist auch wieder überwiegend gerade und läuft sogar eine längere Strecke durch einen Étang, flankiert von einem Treidelweg auf der linken und einer halbzerfallenen Mauer auf der rechten Seite.
Ziemlich langweilig, bis auf die Möwennester mit flaumigen Küken rechts.

Am Fuß des niedrigen Hügels im Hintergrund Mitte liegt Sète.
5 km vor der Stadt werden wir mittags von einer niedrigen Eisenbahn-Hubbrücke aufgehalten, die erst um 17 Uhr wieder öffnen wird. Wie dumm!

Zum Glück haben wir ja unsere Fahrräder dabei!
Wir radeln zuerst zum recht nahen Strand, wo wir kurz die Füße ins erstaunlich kühle Mittelmeer tauchen.
Über eine vielbefahrene Schnellstraße erreichen wir dann Sète.

Sète

-nach Marseille die zweitgrößte französiche Hafenstadt am Mittelmeer.

Laut Hafenführer sollte uns die Stadt begeistern. Sie ist auch schön mit ihren unterschiedlich breiten Kanälen zwischen den hellen, schmucken Stadthäusern. Aber die Begeisterung wird gedämpft durch kühlen Wind, viel Verkehr, schmuddelige Altstadtgassen und leider geschlossene Geschäfte.
Schade!

So radeln wir bald zurück zur Eisenbahnbrücke in Frontignan, wo inzwischen viele Bootsleute auf das Heben der Brücke warten.
Eine Frage beschäftigt uns alle: Wieviel Wind ist auf dem Étang de Thau?
Denn ab 4 Windstärken sollte man ihn mit dem Hausboot nicht mehr befahren!

Auf dem Étang de Thau

Toms Anruf beim Wetterdienst brachte uns allen die Antwort auf die Windfrage: 3 Beaufort auf dem Thau! Wir können rüber!

18 km ist dieser große Strandsee lang. Zwei breite Mittelmeer-Zuflüsse sorgen für sauberes, salziges Wasser und die hervorragende Qualität der Muscheln aus den Zuchtanlagen, für die er berühmt ist. Links hinten kann man eine solche Anlage erkennen.

Der Leuchtturm 'Les Onglous'...

...weist uns am westlichen Ende des Étang deThau zur Einfahrt in den Canal du Midi. Hier finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz.

13.5. Beginn des CANAL du MIDI

Am nächsten Morgen hebt uns nach kurzer Fahrt eine Schleuse ins bräunlich-trübe Süßwasser des Canal du Midi. Endlich sind wir drin!

Und genau so haben wir ihn uns vorgestellt: sich schlängelnd, von schönen, alten Platanen überdacht und mit einem Pfad daneben, von dem aus uns auf dieser Reise noch viele joggende oder radelnde Franzosen mit fröhlichem "Bon jour!" zuwinken werden! Herrlich!

Das Boot hinter uns ist ein Motorsegler ohne Mast, dafür mit Sonnendach. Mit den Eignern, einem netten dänischen Rentnerpaar von der Flensburger Förde, waren wir an der Schleuse ins Gespräch gekommen. Sie haben vor 4 Jahren ihr Haus verkauft und schippern seitdem auf süd-französischen Gewässern herum. So kann man auch seinen Ruhestand verbringen!

Die Rundschleuse von Agde...

...erreichen wir nach ca. 2 Stunden.
Das Tor links führt auf den Fluss Herault hinunter, auf dem man durch Agde und dann ins Mittelmeer fahren kann. Dürfen wir aber nicht!

Wenn das Tor voraus offen ist, folgen wir der alten Peniche vor uns , legen hinter der Schleuse an und besichtigen Agde.

In Agde

Dies Gebäude (l.o.) am Ufer des Herault ist keine Ritterburg, sondern eine mittelalterliche, stark befestigte Katharer-Kirche. Die KATHARER (= die 'Reinen') waren im 12.- 14.Jhdt. die vorherrschende christliche Glaubensgemeinschaft im westlichen Südfrankreich. Für sie galt nur das Wort Christi, Päpste und Bischöfe wurden nicht als Vertreter Gottes anerkannt, Pomp, Prunk und Hurerei wurden abgelehnt, der Kirchenzehnt nicht bezahlt. Im 14. Jhdt. mussten sie sich durch befestigte Kirchen und Burgen vor Verfolgung schützen, wurden aber doch in regelrechten Kreuzzügen ausgerottet.
Die aus Sicherheitsgründen sehr hoch angebrachten Fenster können das düstere, schmucklose Innere der Kirche kaum erhellen. Der Altar stammt aus späterer Zeit.

Schmale Gassen mit alten, teils vernachlässigten Häusern prägen das Bild der Altstadt. Im etwas neueren Teil führt uns eine breitere Straße mit gepflegten Häusern zu diesem schönen, zentralen Platz mit 'Marianne'-Denkmal.

Muschel-Esser

Dies kleine, arabisch wirkende Mädchen im Schlafanzug (??) hat sich auf einen Eckstein gesetzt, um Miesmuscheln (sicher aus dem Étang de Thau!) auszuschlürfen.

Wir machen es ihr nach in einem schwimmenden Restaurant, wobei lang in den Herault auslaufende Mittelmeerdünung uns sanft schaukelt.
Trotz leckerer Tomatensoße und gutem Wein sind wir doch nicht die richtigen Muschelgenießer.

Beeindruckendes Haus-Gemälde in Agde

Verwirrend sind hier auf eine schlichte Hauswand Vorbau, Ecken, Fenster, Schatten und Spiegelungen gemalt.

Durch Anklicken das Foto vergrößern und wie wir rätseln, was echt und was nur gemalt ist!

Schöne, alte Brücke hinter Agde

Passen wir da überhaupt durch?
Klar, wenn wir schön mittig fahren und den Kopf einziehen!

4 km hinter Agde legen wir noch einmal an, radeln in einen nahegelegenen, netten kleinen Ort, trinken zurück an Bord Kaffee, besichtigen die LIBERON-QUERUNG (s.u.) und strampeln die 1,5 km bis zum Strand.
Schade, dass wir kein Badezeug mitgenommen haben!
So nah kommen wir dem Mittelmeer nicht wieder.

Noch eine Brücke?

Nein, dies ist die LIBERON-QUERUNG, eine technisch raffinierte Einrichtung, mit deren Hilfe man den kleinen Bach Liberon, der nach heftigen Regenfällen zum reißenden Fluß wird, gefahrlos in Etappen queren kann.
Sie wurde vom Konstrukteur des Kanals, Pierre Paul Riquet, erfunden, nachdem der Kanal beim Bau in den 1670er Jahren an dieser Stelle vom wilden Liberon zerstört worden war.

Vom Strand kommend legen wir gegen 18.30 Uhr ab und passieren ohne Stopp die Liberonquerung, denn bei dem schönen Wetter heute ist der Liberon ganz schmal und zahm.

5 km weiter finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz.
Beim Abendessen entdecken wir eine BISAMRATTE, die sich am anderen Ufer Schilf knabbernd auf unsere Höhe vorarbeitet, ohne sich von unserem Sprechen stören zu lassen. Deutlich können wir durch's Fernglas das Knabbern mit den langen, orangegelben Zähnen beobachten.

14.5. Nach BÉZIERS

Während wir nach ruhiger Nacht frühstücken, bringt 'unsere Bisam' fleißig Schilfhalme quer über den Kanal. Hat sie da drüben ihren Bau?

Eine halbe Stunde nach dem Ablegen sehen wir links 'Wasserwiesen' oder geflutete Reisfelder (?) mit vielen Wasservögeln: Blässhühner auf Nestern, Brandgänse, Grau- und Silberreiher, Ibis (?) und Löffler (?) Ja, bestätigt mein Vogelbuch! Toll! Dazwischen blühende Tamarisken und einige Wildpferde!
Später bedaure ich, nicht zum Beobachten angehalten zu haben.

Nach drei schönen, typisch ovalen Schleusen (Hub 1,5 - 2,5m) und Einkauf in hübschem alten Ort Villeneuve, müssen wir nur noch die ÉCLUSE BÉZIERS bezwingen. Hui! 4,14m Hub!! Kein Problem, denn es gibt senkrechte Stangen, an denen die Halteleinen hochrutschen können.

Um 14 Uhr legen wir im schönen, gepflegten Port-Neuf von BÉZIERS an.
Leider liegt zwischen uns und der hoch auf dem Hügel gelegenen Stadt die Bahnlinie, die zu langem Umweg zwingt, und eine steile Straße. Puh!
Aber der anstrengende Weg hinauf lohnt sich!

In Béziers, Statue 'Pierre Paul Riquet'

Oben angekommen schlendern wir durch den schönen, luftig-grünen Park 'Plateau des Poètes', dem sich die breite, städtische, ramblaähnliche 'Allée Paul Riquet' anschließt. Eine 'Rue Paul Riquet' gibt es in fast jedem Ort am Canal du Midi, aber nur hier in seiner Geburtsstadt haben wir eine Statue von ihm gefunden.
Wir sind Bewunderer dieses Mannes, der ein so klug durchdachtes, schönes, sinnvolles Lebenswerk geschaffen und uns damit so eine schöne Reise ermöglicht hat!

Geschichtliches zum Canal du Midi

Wie traurig, dass Riquet die Fertigstellung und Einweihung seines Kanals nicht mehr miterleben durfte!
Er starb ein halbes Jahr vorher am Ende seiner Kraft und völlig verarmt, da er neben offiziellen Geldern sein ganzes Vermögen durch den Bau verbraucht hatte.
Als autodidaktischer Ingenieur hatte er all seine Energie, sein Talent, seinen Reichtum, der Skepsis und Ungläubigkeit Anderer zum Trotz, in ein technisches, landschaftliches und architektonisches MEISTERWERK gesteckt. Er hatte das Problem der Wasserzufuhr am Scheitelpunkt des Kanals gelöst,
in 15 Jahren 12000 Arbeiter - darunter 600 Frauen - mit Hacke und Schaufel die 240 km lange Wasserstraße von Toulouse nach Sète graben, mehr als 45000 Bäume gegen die Verdunstung pflanzen und 328 überwiegend von ihm erfundene oder abgeänderte wassertechnische Bauwerke errichten lassen.

Die Kathedrale St. Nazaire in Béziers

Durch enge, verschachtelte Altstadtgassen mit netten Geschäften und Cafés fragen wir uns zur wuchtigen, auf einem Plateau hoch über dem Fluss Orb gelegenen Kathedrale durch. Sie war von 790 bis 1768 Sitz der Bischöfe. Die Westfassade ist mit einer im Durchmesser 10m großen und von eckigen Türmen flankierten Fensterrosette geschmückt.

Béziers war eine der mächstigsten Städte im Katharerland. Ihre Kathedrale und die anderen Kirchen waren, wie hier an den Zinnen zu erkennen, gut befestigt.

Sie wurde das erste Ziel der Kreuzritter im ALBIGENSER-KREUZZUG.Trotz der Lage auf dem hohen Hügel und einer starken Stadtmauer wurde die Stadt am 22. Juli 1209 eingenommen und in Brand gesteckt. Nahezu alle ca. 20.000 Einwohner, die teilweise vergeblich in Kirchen Zuflucht gesucht hatten, wurden in einem MASSAKER getötet.
Auf die Frage der Ritter, wie sie die Katharer denn von den Katholiken unterscheiden könnten, soll der päpstliche Gesandte geantwortet haben: Tötet sie alle! Gott kennt die Seinen schon!

Blick vom Platz vor der Kathedrale...

...auf den Fluss Orb, die Ebene von Béziers und die Ausläufer des Massif Central im Dunst.

Von der Kathedrale gehen wir auf schnellem, steilem Weg zum Fluss hinunter und zum Hafen, wobei wir an einer schönen alten römischen Brücke und ...

Der Pont-Canal über den Orb

...der 1858 'in der geistigen Nachfolge von Riquet' erbauten Brücke vorbeikommen, auf der wir gleich mit dem Canal du Midi den Orb überqueren werden.

Die Écluse d'Orb

Aber erst einmal müssen wir uns von dieser Schleuse hinterm Port-Neuf auf das Niveau der Canal-Brücke heben lassen. Oha! Die Orb- Schleuse ist ja mit 6,19 m noch 2 m höher als die Béziers-Schleuse!

Die Stangen sind hier weiter auseinander, unsere Festmacher genügen nur knapp, und als das Wasser einschießt, will meine Leine nicht hochrutschen! Wenn sie mir jetzt aus der Hand flutscht, wird unser Bug gegen die andere Schleusenwand gedrückt und wir liegen quer! Verflixt!
Ich pfeife auf den Fingern, der junge Éclusier guckt mal kurz runter und schließt dann die Öffnungen wieder. Der Wasserdruck lässt nach und ich schaffe es, meine Leine hochzuruckeln. Uff!

Die Fahrt über den Orb mit schönem Blick auf die Stadt entschädigt für den Schleusen-Schreck!

Die 7-Schleusentreppe von Fonseranes

15 Minuten hinter der Brücke wartet noch diese abenteuerliche Sache auf uns!
Mit 6 Becken und 7 Toren überwindet die Schleusentreppe auf 312 m Länge einen Höhenunterschied von 21,50 m.
Sie ist eine Sehenswürdigkeit und beliebtes Ausflugsziel. Wir haben also einige Zuschauer, die teilweise im Weg rumstehen, wenn man mit Leine zum nächsten Becken geht, teilweise auch helfen oder nur vergnügt dem 'Schleusentheater ' zusehen.

Das untere Becken steht offen. Wir können gerade noch als viertes Boot mit hinein.

Die Schleusentreppe sieht beeindruckend aus von unten,...

...-und dann erst der gewaltige Wasserschwall, der gischtend auf uns zustürzt!!
Klasse!
Zum Glück ist immer das Tor zu dem nächsten Becken vor uns geöffnet, sonst könnte das Wasser nur sehr viel langsamer einfließen.
Hier zeigt sich der Vorteil der ovalen Beckenform: Das Wasser strudelt durch die Mitte und drückt uns sanft in die Rundung. Und wenn man hinten liegt, hat man nicht mal viel Druck auf der Leine, wie man sieht.
Abwärts muss es dagegen richtig langweilig sein, denn da sinkt man einfach nur ganz langsam, ohne etwas vom 'Wasserfall' mitzubekommen.

Blick zurück

Nach 50 Minuten sind wir oben und können aus dem letzten Becken ausfahren.
Noch ein Blick zurück auf die Schleusentreppe und auf Béziers im Hintergrund, dann wird es Zeit , sich einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Ende Teil 1

"Platanen-Tunnel" nennen wir diesen Übernachtungsplatz wenige Kilometer hinter der Schleusentreppe, wo bald darauf eine lebhaft in hohen Tönen plappernde Joggerinnen-Gruppe vorbeikommt, die uns mit vielen fröhlichen "Bon soir!"s zuwinkt.

Hier endet der erste Berichtteil.
Im 2.Teil, der demnächst folgt, geht es über Capestang, Carcassonne (!) und Castelnaudary bis zur Endstation bei Toulouse. Bis dann!
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