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Von Spakenburg nach Emmer-Compascuum vor der deutschen Grenze

Reiseteil 10


über Elburg
Meppel
Hoogeveen
Nieuw Amsterdam
den Naturplatz
und den Veenpark

Strecke Spakenburg - Emmer-Compascuum: 182 km
Fahrtage: 6
Landtage: -

Von Spakenburg nach Elburg 27.08.15

Unterwegs in den Randmeren halte ich diese weißen Vögel aus der Ferne für Schwäne. Obwohl, Schwäne schwimmen, die stehen nicht auf Stelzen im Wasser.
Aufregung!! Flamingos???
Nein! Einer zeigt seinen nach vorn sich verbreiternden Schnabel: LÖFFLER!
Auch die kommen im Sommer im Delta-Gebiet vor (laut Kosmos). Und auch ein bisschen nördlicher, wie man sieht.
(Anmerkung: Wieder zu Hause fand ich am 6.10.15 in unserer Tageszeitung 'Kieler Nachrichten' einen kleinen Beitrag mit Bild über Löffler! Danach werden sie seit 2000 auch in unserem schleswig-holsteinischen Wattenmeer beobachtet. "Mit 227 Brutpaaren sei in diesem Jahr ein neuer Höchstbestand erreicht worden."!)

Übrigens: An unserem heutigen Tagesziel ELBURG , dem hübschen, sehr kleinen Städtchen, haben wir diesmal keine Fotos gemacht. Es hat leider nur geregnet.
Wir sind einmal unterm Schirm hindurchspaziert, haben auch noch eine Runde durch uns unbekannte Straßen gedreht, dann bei Jumbo für ein leckeres Abendessen eingekauft.
Wer Bilder vom herrlich sommerlichen Elburg sehen möchte, kann sie ansehen im Reiseteil 'Von Leeuwarden nach Amersfoort' , Beitrag vom 11.6.15, .

Von Elburg nach Meppel 28.08.15

Auf der letzten Strecke in den Randmeren kommt uns die 'Kamper Kogge' entgegen.
Als sie auf unserer Höhe ist, rufe ich vom Vorschiff aus hinüber: "Hansestadt Lübeck grüßt Hansestadt Kampen!" Die Männer drüben winken eifrig zurück, nicken und lachen und zeigen dann auf unser Heck mit dem Schriftzug unseres Heimathafens 'Lübeck'.

Zu Mittag, während der Fahrt entlang des Swarte Meer, gibt es ein leckeres Reste-Essen; wobei Tom auf dem Kühlschrank sitzt und Ausschau hält.

Kurz vor unserem Ziel Meppel fahren wir auf eine weißgepunktete Wiese zu. Mit dem Fernglas zähle ich mindestens 60 Störche! Sie picken eifrig und finden offensichtlich reichlich Futter in dieser Feuchtwiese.
Wahrscheinlich füllen sie sich hier noch einmal ordentlich den Magen, bevor sie gemeinsam zur langen Reise nach Afrika aufbrechen.

In Meppel

Mmmh, das schmeckt so gut wie es aussieht!
Leckeres Törtchen von unserem Bäcker Renner zu Hause,
Himbeeren und Schlagsahne von Tom schnell bei Aldi gekauft und letztere hier per Hand geschlagen.

Was geht's uns gut!

Anschließend spazieren wir an der kleinen Gracht entlang ins Städtchen, das uns mit erstaunlich vielen schmalen Winkelstraatjes (= Geschäftssträßchen) überrascht.

Wie die Straatjes sind auch die Plätzchen mit Eetcafés und Bars gut besucht.

Die Gereformde (und deshalb innen, wie meistens, schlicht weiße) Kerk hält auch eine Überraschung bereit. In ihrem Eingangsgewölbe unter dem Turm ist ein langer Tisch stilvoll für ein festliches Mahl gedeckt, und im Kirchenschiff werden Stühle und Mikrofone für ein Konzert aufgestellt. Es wird leider erst morgen stattfinden.

Blick aus dem Cockpit am milden, windstillen Abend.
Gerade war der Mond noch als volle Scheibe zu sehen; jetzt versteckt er sich leider teilweise hinter einer Wolke. Die Mühle wird von warmem Licht angestrahlt.
Und Tom spielt auf der Gitarre die Bourree in E-Moll von Bach (noch nicht wieder ganz so gut wie 1969, als wir uns kennenlernten.)

Von Meppel nach Hoogeveen 29.08.15

Schönes Wetter, Fahrt auf geradem und breitem Kanal ohne Gegenverkehr.
Zum ersten Mal sind während der gesamten NL-Reise alle Fensterteile der Persenning herausgenommen, und zum ersten Mal steuert Tom von hinten, ähm...

..., stehend, übers Dach blickend und mit dem Fuß das Steuerrad drehend!

Kurz vor Dienstschluss der Hoogeveener Brückenwärter um 17 Uhr, schaffen wir es gerade noch, drei kleine Brücken für uns und das Boot dort vorn öffnen zu lassen. Noch um eine Ecke...
und dann haben wir in einem sehr kleinen Kanal diese grüne Enten-Grütze unterm Kiel, die sich hinter dem vorausfahrenden Boot schon fast wieder schließt.

Die wenigen Liegeplätze im Vorort Hoogeveens sind besetzt.
Für uns sind keine Festmach-Poller mehr da. Also müssen wir zum ersten Mal unsere langen Anlege-Nägel benutzen, die Tom mit Hammer in den Boden rammt.
Solange es noch hell ist, werden wir durch Fallschirm-Springer und die mit 'Zuschsch' über uns hinweg den nahen, kleinen Flugplatz anfliegenden Segelflieger unterhalten.

Dann kehrt Ruhe ein. Der Mond geht auf.
Bald färbt er mit seinem kühlen Licht die Grütze hellgrau.
Es sieht aus als lägen wir in raubereiftem Eis.

Von Hoogeveen nach Nieuw Amsterdam 30.08.15

Sonntag,
ganz allein unterwegs,
keine Eile,
ruhig,
schön!

Im nächsten Kanalabschnitt folgt eine niedrige Brücke auf die andere.
Diese hier wird von einer lustigen, sportlichen Holländerin in unserem Alter per
Hand auf und zu geschoben. "Gut für Fitness!" ruft sie. Anschließend ...

...radelt sie fröhlich winkend an uns vorbei, ...

... um die moderne Klappbrücke dort vorn per Knopfdruck zu bedienen.

Was sie aber nicht gleich tun kann, denn erst einmal muss sie die ELTERN eines ca. 4jährigen JUNGEN suchen, der mit seinem Tret-Trecker an der unübersichtlichen Kreuzung mit viel Verkehr plötzlich auf die Straße gefahren kam!!
Mit dem Kleinen an der einen und seinem Trecker in der anderen Hand klingelt sie vergeblich an 2 Häusern; kommt dann zu uns, erklärt die Situation, entschuldigt die Verzögerung und läuft zum 3. Haus, wo sie endlich den Vater findet.

Papa und Sohn nimmt sie dann mit ins Brückenhäuschen, wo der Kleine eventuell das wichtige Knöpfchen drücken darf (Welcher Enkelsohn würde das nicht wollen?!).
Bei der Durchfahrt ruft sie uns "Dank u wel!" zu. Wofür denn nur?

In Nieuw-Amsterdam

Einige Klapp-, Hub-, und Schwenk-Brücken später legen wir zur Kaffeezeit in Nieuw-Amsterdam an.
Es sieht ganz nett aus bei Sonnenschein hier am Anleger im Kanal: Lange Häuserreihe an beiden Ufern, Bäume, ein paar Blumenkästen. Nahebei ein Eiscafé und ein Fast-Food-'Restaurant'. Aber alles schlicht, nichts besonderes. Ich habe kein einziges Foto gemacht.

Etwas Besonderes hat Nieuw-Amsterdam aber doch aufzuweisen: das Van Gogh Huis!
Ein Gasthaus, in dem Van Gogh drei Monate verbrachte und soviel arbeitete wie sonst nie in seiner insgesamt kurzen Schaffenszeit.
Wir werden von einem ehrenamtlichen Führer durch das Haus geführt. In holperigem Deutsch, aber sehr engagiert, erzählt er uns von Vincents meist unglücklichem Leben, seinem späten Weg zur Malerei, seinem Aufenthalt hier im Moorgebiet und wie fasziniert er von der Landschaft war.

Von Nieuw-Amsterdam zur Sint-Jozefvaart 31.08.15

Weiter geht es auf der Verlengden Hoogeveenschenvaart durch einige langgestreckte Veen (= Moor)-Dörfer (wie die Fehnsiedlungen im Oldenburgerland).
Um 13°° biegen wir scharf rechts ab in den erst 2013 eröffneten, nur wenige Kilometer langen KONING WILLEM ALEXANDER-Kanaal.
Dieser schöne, kurze Kanal stellt eine neue Verbindung her zu den weiter östlich gelegenen niederländischen Torfkanälen, die wiederum einen Anschluss an den deutschen Haren-Rütenbrock-Kanal und damit an die Ems haben.

Beim Bau des neuen Kanals wurden, wie dort vorn zu sehen, die ausgegrabenen Findlinge am Ufer dekorativ in einem sogenannten Eiszeit-Park zusammengestellt.

Am Anfang des Kanals ging es ein Stück aufwärts.
Hier, nicht weit vom Ende des Kanals, steigen wir in zwei sehr modernen Schleusen-Kammern hintereinander jeweils 2,5 m, also insgesamt 5 m, hinab.

In der unteren Kammer hängt, als wir hineinfahren, diese kleine Kröte an der Ziegelwand knapp über dem Wasserspiegel. Ich nehme sie zum Runterschleusen mit aufs Vorschiff, wo sie sich im Schatten ganz klein zusammenkauert.
Unten setze ich sie dann zwischen die Gräser und Blumen an einem Flachwasser-Ufer, wo sie sich schnell versteckt.

Hoppla! Wir sind gerade um eine scharfe Ecke gebogen, da stellt sich uns dieses Hindernis in den Fahrweg!
Die Herren nehmen unser Kommen gelassen. Eine der extrem langen Angeln nach der anderen hebt sich wie ein Schlagbaum vor uns, um sich gleich hinter uns wieder abzusenken. Ulkig!

Unser Fahrwasser wird immer schmaler. Hoffentlich bleiben wir nicht gleich stecken!

Hinter der nächsten Kurve wird es wieder offener und breiter und wir können flotter weiterfahren,...

...was wir angesichts dieses Burschen auch lieber tun.

Bald danach finden wir diesen wunderschönen Naturplatz in der Kurve zu Beginn des Sint-Jozefkanaals, ...

...zwar nicht ganz ohne Zivilisation, aber doch ohne andere Menschen oder Boote, und ohne Bremsen!

Wie schön! Wie wohl wir uns hier fühlen!
Wie manchmal in den schwedischen Schären; nur dass es hier keine Felsen gibt.

Erfrischendes Bad in braunem Moorwasser.

Sonnenbad auf - mmh - vielleicht in der Eiszeit aus Schweden hierher geschobenem Fels-Gestein, von Menschen bearbeitet.

Erkundungsgang mit vergeblicher Ausschau nach Ringelnatter oder Kreuzotter, für die dies doch ein ideales Gelände wäre.
Wir finden nur ein paar Brombeeren.

Und dann entdeckt Tom ihn hier! Nur 30 m von uns entfernt am anderen Ufer, genau gegenüber von Boreal!
Hat er uns gehört? Schade, er verschwindet im Gebüsch.

Nein, er dreht sich zu uns um und sieht uns lange an.
Und wir ihn.

So ein schönes Erlebnis!

Vom Naturplatz nach Emmer-Compascuum 01.09.2015

Diese drei Freunde, oder sind es Geschwister (?),von mir Browny, Whitey und Blacky genannt, begrüßen uns am nächsten Morgen schnatternd. Immer wieder erstaunlich, diese ganz unterschiedlich gefärbten Stockenten!

Nur einen knappen Kilometer hinter unserem Naturplatz sehen wir am rechten Ufer ein Torfabbau-Gebiet und bald darauf legen wir am Freilichtmuseum "Veenpark" an.
Hier haben die Bewohner des ehemaligen Torfstecher-Dorfes Barger-Compascuum einige Häuser aufgebaut, wie sie vor 100 Jahren von ihren Vorfahren gebaut und bewohnt wurden.

Dies war wohl eine ganz primitive Unterkunft für die ersten Torfstecher.

Dies hier ist schon deutlich komfortabler, mit richtigen Fenstern und Holztür,...

... aber noch immer sehr klein und dunkel.

Es stehen noch mehrere Häuser im kleinen Wald, immer größer und wohnlicher werdend, teils mit Steinwänden und Ziegeldächern. Ein kleines Gasthaus, eine Kapelle,...

... und schließlich auch diese erste Schule wurden vor vielen Jahren gebaut.

Außerhalb des Waldes stehen im neuen Dorf Häuser aus späteren Jahrzehnten, deren Bewohner ganz verschiedenen Berufen oder Gewerben nachgingen.
Wie dieser Klompen-Macher, der uns die Herstellung der von manchen Niederländern immer noch gern getragenen Holzschuhe erklärt. Wir haben sie hin und wieder auch an Füßen gesehen und gehört.
Bis zu 400 Klompen verkauft er pro Jahr, erzählt er uns.

Auch dieser Tante Emma-Laden, eine Bäckerei, eine Schmiede, eine Mühle und eine Stellmacherei gehören dazu.
Es ist wirklich schön gemacht und sehenswert.
Für Kinder gibt es auch noch einen großen Spielplatz.
Es ist aber jetzt, nachdem die Schule wieder begonnen hat nicht viel los.

Wir stärken uns im Restaurant und wackeln dann mit dieser kleinen Bahn, die vielleicht früher schon die Torfarbeiter langsam und ruckelnd zur Arbeit gefahren hat, ...

... durch nur von Schafen betretene, weite Moorlandschaft ...

...bis zur Abstichstelle. Hier informiert uns ein ehemaliger Arbeiter über die verschiedenen Torfschichten, zeigt wie man ihn absticht und erklärt wie lange er gestapelt und immer wieder umgesetzt werden muss, bis er richtig trocken ist.
Er wurde früher nicht nur als Baumaterial, sondern vor allem auch als Brennstoff benutzt.
Leider verstehen wir nicht allzu viel. Und außerdem beginnt es dabei auch tüchtig zu regnen.

Heute wird der in Vorführungen gewonnene Torf zum Betreiben dieser dampfbetriebenen Maschinen benutzt.

Nachdem uns die Ruckelbahn wieder zum Park zurückgebracht hat, setzen wir unsere Fahrt mit Boreal fort.
Zwei Schleusen und fünf Brücken später finden wir am Ufer des schmalen Compascuumkanaals im kleinen Ort Emmer-Compascuum einen einigermaßen ruhigen Übernachtungsplatz und gleich gegenüber eine neueröffnete türkische Pizzeria, in der wir gut essen.
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