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Von Leeuwarden nach Amersfoort


Reiseteil 4


über Grou
Driewegssluis
Kalenberg
Kampen
Elburg
Inselchen 'De Ral'
Harderwijk
und Spakenburg



Strecke Leeuwarden - Amersfoort: 230 km
Fahrtage: 9
Landtage: 1

Von Leeuwarden über Earnewâld nach Grou 6.6.15

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Anneke und Arno, die noch in Leeuwarden bleiben: Gute Weiterreise! Tschüss, tschüss! Tot siens!

Es dauert lange, bis wir um ganz Leeuwarden herumgefahren sind, wobei wieder einige Brücken hochgeklappt werden müssen.
Im Hintergrund der 'Oldehove', mit dessen Bau 1529 begonnen worden war, man aber schon drei Jahre später wieder aufhören musste, da er anfing abzusacken. Auch die geplante hohe Kirche dazu wurde nicht gebaut.
Wie der schiefe Turm von Pisa neigt sich der unvollendete 'Oldehove' kontinuierlich weiter.

Durch wie gewohnt flaches Bauernland fahren wir in ein früheres Torfgewinnungsgebiet, das man in den Naturpark "Âlde Feanen" (erinnert an das Wort 'Fehn' im Oldenburgerland) mit Seen und vielzähligen verbindenden Wasserwegen verwandelt und für die Wassersport-Nutzung freigegeben hat.
Das Dorf EARNEWÂLD hier auf dem Foto bildet das Zentrum mit Segelschule, Bootsverleih und Campingplatz.
Wir machen hier Pause und beobachten beim Mittagessen ein wildes Gewusel von Kanus, kreuzenden Segeljollen, Motorbooten und sogar einem großen Ausflugsdampfer auf relativ schmalem Wasserlauf.

Nach 2 Stunden geht es weiter, vorbei an wunderschönen, nur mit Kanu oder Ruderboot zu befahrenden Seeflächen...

...hinter zu mietenden Ferienhäuschen wie diesem,...

... und geraten dabei auch in ein Regatta-Feld.

Einige der jugendlichen Teilnehmer finden es cool, andere wohl nicht so ganz.
Und wir müssen ordentlich aufpassen, ihnen nicht in die Quere zu kommen.

Wir übernachten im kleinen Städtchen GROU (ca.5000 Einw.), das einen für unseren Geschmack viel zu großen Sportboot-Hafen und ebenfalls viele Wassersportmöglichkeiten anzubieten hat.

Zum ersten Mal seit langem müssen wir wieder in einer Box anlegen, das heißt mit Bug zum Steg und hinten zwei Pollern zum Festmachen, und bekommen zwei lange, hohe Charterboote als Nachbarn. Nich so doll!

Von Grou zum Naturplatz an der Driewegsluis 7.6.15

Ein schönes Bild bietet sich uns, als wir Grouw am nächsten Morgen verlassen.
Viele nicht sehr große Plattbodenschiffe gleichenTyps sammeln sich vor dem Ort und starten, als wir herankommen, zu einer Regatta.
Ganz außen können wir an ihnen vorbeifahren und dieses schöne Foto schießen.
Wir mögen diese Boote sehr gern, deshalb gleich noch ein Foto von ihnen!

Das vordere Boot hat nun das Vorsegel auf Steuerbord geholt und fährt Schmetterling!
Es wäre schön, sie noch länger beobachten zu können, aber wir haben noch 'ne gute Strecke vor uns und fahren zügig weiter.

Eine interessant zusammengesetzte Gänseschar!

Und so etwas begegnet einem selbst in den Niederlanden nicht alle Tage: ein richtiges, schwimmendes Häuschen!
Es ist uns im Sneekermeer oder im Tjeukemeer begegnet, die zwei recht großen Seen, die wir heute auf betonnten Wegen befahren.
Die Fahne mit den Herzen ist übrigens die Flagge Frieslands.
(Später lese ich: Es sind gar keine Herzen auf der Flagge, sondern die Blätter der gelben Seerose! Jetzt wisst ihr's auch!)

Liegeplatz an der Driewegsluis

Die heutige Fahrt ist durch unruhige Strecke auf häufig wechselnden Gewässern, die auch noch durch den Wochenend-Bootsverkehr besonders voll sind, außerordentlich anstrengend!
Und dann zieht sich die Suche nach einem Übernachtungsplatz auch noch ewig hin, bis wir endlich an dieser schön ruhigen Halbinsel in der Nähe einer Schleuse den Motor abstellen können! Puuuh! Erschöpft nach 54 Kilometern!

Ein Spaziergang um die schöne Halbinsel herum, Spaghetti mit Tomatensauce und Lieblingsmusik, und die Beobachtung dreier Ballons, von denen einer nicht allzuweit weg landet, lassen den Tag dann doch ganz schön ausklingen.

Von der Driewegsluis nach Kalenberg 8.6.15

Nach den 54 km von gestern soll es heute nur eine kurze Etappe werden.
Durch die Schleuse nahebei, 5 km auf gerader Strecke, und da sind wir schon wieder in einem zum Naturpark gemachten Torfabbau-Gebiet. "DE WEERRIBBEN" heißt er. Im Gegensatz zum gestrigen Trubel ist hier aber wassersportlich wenig los. Als einziges Boot fahren wir langsam durch die beiden Veen-Dörfer OSSENZIJL und KALENBERG. Kleine alte hübsche Häuschen reihen sich am Kanaal aneinander, haben aber recht große, gepflegte Gärten und fast immer einen Anleger an kleinem Kanal,...

...der wie hier weit ins geschützte Moor hineinführt.

Dies Häuschen sieht aus, als hätte es vor 200 Jahren schon hier gestanden.
Es ist übrigens zu kaufen oder zu mieten.

Von Adebars Vorfahren hat es zu damaliger Zeit sicher sehr viel mehr gegeben! Wir sehen heute außer ihm hier nur noch einen auf einem Nest.

Hinter KALENBERG finden wir nach insgesamt 10 km diesen schönen Naturliegeplatz.
Hier treffen wir ein Schweizer Paar, mit dem wir ins Gespräch kommen. Sie sind seit April unterwegs, waren im Mai in Lübeck, haben bei unserem Club in der Lachswehr angelegt und übernachtet und finden Lübeck sehr schön. "Wenn wir jünger wären und viel Geld hätten, würden wir nach Lübeck ziehen, ein Segelboot kaufen und in der Ostsee segeln!" sagen sie als ehemalige Bodensee-Segler. Na sowas! Können wir irgendwie verstehen.

Nach längst fälligem Bootsputz und Kaffeetrinken holen wir die Klappräder raus. Das Durchfahren der Dörfchen hat uns nämlich so gut gefallen, dass wir die letzten 5 km wieder zurückfahren,...

...um alles noch einmal in Ruhe, etappenweise auch schiebend, betrachten zu können. ...

... zum Beispiel dies hübsche Häuschen mit Seerosen und Ruderboot,

... diesen 'Reetschneider',...

... dies größere Anwesen auf der anderen Seite,...

...und die vielen Blumen wie Schwertlilie und Kuckuckslichtnelke neben dem Radweg im moorigen Gelände.

Von Kalenberg nach Kampen 9.6.15

Mit 30 km wird die heutige Etappe gut machbar sein. Nach 6 Stunden abwechslungsreicher Fahrt durch ein weiteres Veendorf, ein Flüsschen, einen See mit viel Wind, einer durch Brückenwärters Mittagspause erzwungenen 1-stündigen Unterbrechung (also nur 5 Stunden gefahren) und einer furchtbar schmalen Schleuse (4,50 m breit, wir haben 4m Breite, dazu die dicken Fender! Ging aber gut!) öffnet sich die letzte Schleuse für heute, entlässt uns in die Ijssel und gibt diesen schönen Blick auf die Stadt Kampen frei.

Wir haben eigentlich gehofft, in diesem Hafen bei der Kogge-Werft unterzukommen, aber leider ist er zu voll.
Kogge! Hanse-Kogge? Ja! Auch KAMPEN (51000 Einw.) ist seit 1441 eine Hansestadt!
Und es gibt einen Verein, der eine alte Werft unterhält, in der diese Kogge und andere alte Boote gebaut wurden.
Wir denken leider nicht daran zu fragen, ob sie im vergangenen Jahr auch auf dem Lübecker Hansetag waren.

In diesem Hafen gleich nebenan mit Blick auf die trutzige Butenkerk sind wir auch gut untergebracht und haben nur wenige Gehminuten bis ins Zentrum.

Der Nieuwe Markt mit Musikpavillon und dem Rathausturm mit Glockenspiel, das stündlich zu hören ist.

Blick auf das Alte Rathaus, links, das zusammen mit dem neuen Rathaus dahinter (nicht zu sehen) das Stadtmuseum bildet; rechts auf die Grundmauer des übrigens schiefen Rathausturmes und auf die St. Nikolaikirche am Ende der Haupteinkaufsstraße. Als wir die Straße entlangspazieren, wundern wir uns darüber, wie wenig hier um halb 6 rum los ist , im Vergleich zum Trubel in Groningen und Leeuwarden.
"Weil um 6 die Bürgersteige hochgeklappt und die Geschäfte geschlossen werden", erzählt uns eine Deutsche, die schon öfter hier war.

Wie der Dom St.Nikolai in Lübeck ist die Nikolaikirche auch in Kampen die Hauptkirche. Sie imponiert durch die Höhe des Schiffes und die prächtige Orgel.
Aber uns fällt auf: es gibt kein Kreuz, keine bildliche Darstellung von Heiligen, keine bunten Glasfenster, nur kleine Pflanzendarstellungen hoch oben an den Gewölben. Der Einfluss des Calvinismus, der ja zeitweise in den Niederlanden sehr stark war?
Beim Hinausgehen entdecke ich doch an einer Säule eine eher unscheinbare Freske mit Jesus am Kreuz.

Landtag in Kampen 10.6.15

Na, das sieht ja schon ganz anders aus als gestern Nachmittag; jetzt am nächsten Vormittag mit Sonnenschein ist doch einiges los...

... und der Platz im Zentrum wirkt sogar fast mediterran.

Mit ausgiebigem Bummel, Bericht-Schreiben, Lesen, Hafengeschehen-Beobachten, Eis-Essen, Sich-über-nächste-Ziele-Informieren kriegen wir auch diesen Tag ganz entspannt rum.

Von Kampen nach Elburg 11.6.15

Wolkenloser Himmel und leider doch mal wieder frischer Wind begleiten uns die Ijssel abwärts bis zu ihrer Mündung ins Ketelmeer, einem Anhängsel des Ijsselmeeres. Dort biegen wir aber gleich scharf links ab ins nördlichste der Randmere.
Diese sind eine Kette von aneinanderhängenden, mehr oder weniger breiten Seen, die entstanden, als nach der Eindeichung des Ijsselmeeres (1932, durch den Bau eines 29 km langen Deiches) und durch Trockenlegung großer Wasserflächen die große Polder-Insel Flevoland gebildet wurde. Die Randmere liegen im Bogen um die östliche Küste von Flevoland herum.
Die Städte an den Randmeren sind ehemalige Küstenstädte an der Ijsselbucht der Nordsee (vorher Zuiderzee).
Arno und Anneke haben uns zwei der Städte empfohlen,
und die erste davon wollen wir heute besuchen.

Es ist voll am langen Anleger vor dem Städtchen ELBURG; scheint ein beliebter Ort zu sein!

Das gefällt uns schon mal: alte Segelboote im Binnenhafen und ein mittelalterliches Stadttor!

Und so sieht Elburg auf dem Plan aus: eine rechteckige, sehr kleine aber früher bedeutende Stadt, gut durch Wasser, grünen Wall und Mauer mit sicheren Toren geschützt!
Ohne den Tipp hätten wir es wahrscheinlich links liegengelassen und wären gleich nach Harderwijk weitergefahren.
Vielen Dank dafür, Anneke und Arno, dass wir durch euch
dieses Juwel kennengelernt haben!
Wir betreten Elburg von oben, vom Binnenhafen her über eine Brücke, in deren Nähe sich eine echte Reeperbahn mit geschlagenen Tauen befindet,...

...gehen auf das hübsche Stadt-Tor zu ...

...und durch dieses hindurch und sind gleich im lebendigen Treiben auf der Hauptstraße, die für so eine kleine Stadt erstaunlich viele schöne Geschäfte aufweist.

In der Mitte, wo sie sich mit der breiten baumbestandenen Querstraße trifft, gibt es neben einem Musikpavillon auch mehrere Cafés und Restaurants, alle gut besucht.

Schade, wir haben vergessen, den Kirchturm zu fotografieren. Sehr hoch und wuchtig sieht er dem 'Oudehove' aus Leeuwarden ähnlich, wirkt auch unvollendet, denn er hat anstelle einer Spitze nur ein ganz kleines Häuschen oben drauf mit dem goldenen Hahn auf seinem Dach.
Überrascht sind wir dann, dass da hinter ihm noch eine Kirche dranhängt, eine richtig prächtige! Besonders, wenn man bedenkt , wie klein die Stadt ist, bzw. schon immer war. Sie muss einmal sehr reich gewesen sein!

Hier sieht man ein Stück der sehr hohen Stadtmauer, an die sich diese niedlichen halben Häuschen schmiegen,...

...und da hinten ja kein Platz für einen Garten ist, muss die Straße davor "bepflanzt" werden.
Es gibt noch so viel mehr zu sehen: ein Kloster, einen mittelalterlichen Kräutergarten, eine Synagoge, ein Witwenhaus, und andere Gebäude mit interessanter Geschichte. Und das auf so kleinem Raum mit einer wunderbar entspannten Ferienatmosphäre. (Was natürlich auch am herrlichen Wetter liegt.)

Von Elburg zur kleinen Insel "De Ral" 12.6.15

Auch heute wieder Sonne satt, es soll sogar wärmer werden als gestern. Da wollen wir nicht wieder gleich die nächste Stadt besuchen, sondern irgendwo anlegen, wo man eventuell baden und grillen kann.
Diese Strandlieger, die wir auf unserer Fahrt von Elburg durchs nächste der Randmeren, das Veluwemeer, entdecken, sehen das offensichtlich genauso.

Von den sechs Inselchen, die es im Veluwemeer gibt, wählen wir gleich das erste aus. Es heißt "De Ral", hat eine windgeschützt Bucht und in dieser rundum Anlegestege.

Ein Boot liegt da schon, für die anderen vier, die bald dazukommen, ist auch noch genug Platz da. Wir rücken uns nicht auf die Pelle.
"De Ral" ist ca. 100x100 m groß und von Wald bedeckt, in dem es viele kleine Lichtungen zum Zelten gibt. Zwei sandige Badestellen gibt es auch, gehören aber noch den Wasservögeln, die dort einiges hinterlassen haben.
Wir ziehen es vor, von Bord aus zu Baden.

Herrlich! Das erste Bad dieses Jahres! Die hübschen, zart verästelten Wasserpflanzen, die wir von Bord aus gut sehen können, stören uns nicht, wenn wir sie beim Schwimmen berühren.

Wir lesen, betrachten vorbeifahrende Boote aller Art, auch manche Raser, die auf einer zum Glück etwas entfernten ausgewiesenen Rennstrecke dröhnend Full Speed geben.

Lange sehen wir diesen Schwänen zu, von denen einer zuerst aggressiv auf den anderen zugeflogen war. Sie begannen dann aber, mit anmutig gebeugtem Hals langsam in völlig gleichem Rhythmus umeinander herum zu schwimmen!

Zum ersten Mal im Leben sehen wir einen echten 'Schwanentanz'!
Wieso sie das tun verstehen wir nicht, denn einer von beiden ist der Partner einer Schwanenmutter mit fünf Jungen, die immer etwa 50m von uns entfernt nach Futter sucht. Ob der andere ein Bruder ist und sie sich wiedererkennen?
Nach einiger Zeit trennen sie sich friedlich.

Später beobachte ich, wie Vater Schwan in wildem Kampf mit einem Eindringling Familie und Revier verteidigt. Lautes Flügelschlagen macht mich darauf aufmerksam. Vater Schwan gelingt es nach einiger Zeit, den anderen mit seinem Gewicht tief ins Wasser und den Kopf sogar unter Wasser zu drücken! Der andere gibt auf und verzieht sich. Für alle Beteiligten, Vater, Mutter, Kinder, Rivalen und mich war das eine sehr aufregende Situation! Hälse recken, Körper strecken, Flügel ausschlagen, sich wieder beruhigen!

Es gibt aber auch wirklich viele Schwäne zwischen uns und der Nachbarinsel.
Aber nur 'unsere Familie' bewohnt den Hafen und das Gebiet bis zum Netz zwischen den Stangen. Natürlich gibt es da noch Reiherenten, eine Nilgans...
Nein, ist ja gut, ich höre auf!

Jetzt wird gegrillt! Halt, erst noch mal gebadet! Schön!
Dann das Boot verholt, weil wir am Steg dort hinten keinen geeigneten Grillplatz haben.
Hier ist es schön, auch ein bisschen windig, was eventuelle Mücken vertreiben könnte.

Ach, ist das herrlich! Dieser Duft, mein leckerer Salat, die angebrannten Brötchen; 'n bisschen schief is es hier ja; wenigstens gibt's keine Mücken, nur so kleine Fliegenviecher, die in Wolken umhertanzen!
Ich fange an zu singen: "Da lachste disch kaputt, dat nennt mer Grillen, dat jibt et nit, dat jeht doch alles schief!" Dann noch was von Toms umgefallenem Bier (als das grade passiert ist!) Und auch noch "dann rutscht de Jabel in'n See!" Dies war eine Vorahnung!

Als Tom mit allem Abwasch in der Schüssel über Äste und Steine zum Wasser runterbalanciert um vorzuspülen (er liebt das), rufe ich noch: "Nicht! Stell erst die Schüssel ab!" Da ist es schon zu spät! Er rutscht aus, die Schüssel fällt, ein Teller zerdeppert am Stein und ne Gabel rutscht in den See! Na ja, ein Messer auch.
Hier angelt er gerade nach dem Besteck! Mich wundert, dass das Bild scharf ist, denn ich konnte mich fast nicht halten vor Lachen. Dabei hätte er sich böse was tun können! Ist gut gegangen; nur ein Ratscher an der Hand,zum Glück!

Vom Inselchen De Ral nach Harderwijk 13.6.15

Am nächsten Morgen, als ich das Rollo der Luke über dem Bett zur Seite schiebe: Iiiih! Mückenalarm!!
Aber die bewegen sich ja gar nicht!

Das Vorschiff: Schwarz gepunktet!

Und das Dach, einfach alles! Die Persenning hier vorn habe ich schon freigefegt, das ging leicht. Aber auf den weißen Flächen gibt es Schmierspuren!

Vor der Abfahrt ist erst einmal Bootsputz angesagt!
Tom greift zur Pütz und spült die kleinen schwarzen Leichen und leere weiße Larvenhüllen mit Seewasser weg. Der andere Bootfahrer, der auch hier übernachtet hat, schafft es effektiver mit Schlauch.
Merkwürdigerweise sind sie nicht auf Gras und Sträuchern zu finden.
Was ist das? Sie sehen eigentlich doch nicht aus wie Mücken, haben zwar zarte Flügel, aber einen langen Schwanz.
Ich vermute 'Eintagsfliegen', und Wikipedia bestätigt es. Die 'tanzenden Wolken' gestern Abend waren der Hochzeitstanz kurz nach dem Schlüpfen der Männchen, die danach starben, während die Weibchen geeignete Wasserflächen suchten zum Ablegen der Eier.

Schade, es zieht zu. Und der Wind steigert sich auf geschätzte 5 Bft., als wir südwärts die nur 9 Kilometer bis Harderwijk fahren. Steile Wellen mit Schaumkrönchen, über die BOREAL locker hinwegfährt.

Und kurz vor der Stadt fängt's auch noch an zu regnen.
Auf einem Aquadukt fahren wir über (!) die Autobahn und in den Oude Haven von HARDERWIJK, dessen Zufahrt nicht leicht zu finden ist, denn eine riesige neue Hafenanlage ist schon fertig und ein ganzes neues Stadtviertel im Bau; die Karte stimmt deshalb nicht mehr.
Aber - oh Schreck! - Hafenfest!! Alles proppenvoll und Remmidemmi!
Also zurück und in den Vereins-Segelhafen mit rundherum sandigem Baugelände.
Als es aufhört zu regnen, fahren wir mit den Rädern ins Städtchen.

Und haben Spaß an der netten Stimmung bei der alten Räucherei, wo es herrlich duftet, ein Männerchor flotte Seemannslieder singt und diese Trachten-Damen mitsingen und schunkeln.

Gleich hinter der Rookerij, fast über unseren Köpfen, sausen die Windräder dieser Mühle mit ziemlichem Tempo rund! Huh! Beeindruckend!

Wir steigen in ihr in den ersten Stock und bewundern die dicken Eichenbalken aus dem 18. Jahrhundert, die diese Schwingkräfte aushalten.
Anschließend geht's zum weißen Balkon hinauf, der ein bisschen mitschwingt, was mir sehr unheimlich ist! Drei ehrenamtliche "Müller" sitzen hier und beaufsichtigen das Ganze. Sie sprechen recht gut deutsch und beruhigen uns: "Nein, nicht zu viel Wind, ungefähr 4 Bft., das geht gut." Wir hatten den Wind auf 5 geschätzt. Wir unterhalten uns längere Zeit mit ihnen, und als Tom fragt, wie man die Geschwindigkeit bremsen kann, darf er es selbst einmal durchZug an diesem Seil wird die Mühle extra für ihn angehalten. Durch kommen die Flügel langsam zum Stehen! Wow!!
Dann darf er auch noch mit in den verbotenen Bereich und die Flügel genauer ansehen. Als man ihn fragt, ob er sie wieder zum Drehen bringen will, sagt er natürlich nicht nein! Bald setzen die Flügel ihre rasante Drehung wieder fort.
Das war ja ein starkes Erlebnis!

Auch Harderwijk ist durch eine teils sehr hohe Stadtmauer gut gefestigt. Bei diesem Torhaus, das gleichzeitig als Leuchtturm fungierte, ...

... findet auf einem schönen, baumbestandenen und von hübschen Häusern eingerahmten Platz ein Flohmarkt statt.

Alle Straßen sind voll und überall ist laute Musik zu hören.
Es ist mehr ein Stadt- als ein Hafenfest.

Zum Glück ist inzwischen auch Superwetter, vom Wind merkt man nicht so viel. Alle Restaurants und Bars haben Stühle und Tische draußen stehen. Verrückt, wie viele Leute hier auf dem Rathausplatz dem 'Hampelmann' auf der Bühne lauschen und bei der von ihm ausgesuchten Musik mitsingen!

Gegen halb 8 spazieren wir, gesättigt durch eine nicht besonders gute Pizza auf einem Plätzchen, zu unseren Rädern bei der nun stillstehenden Mühle am Oude Haven.
Hier kehren gerade die schönen alten Botters, die für die Gegend typischen, schweren Plattboden-Segelboote zu ihren Liegeplätzen zurück.
Sie hatten tagsüber dekorativ in der Hafenzufahrt gelegen, kurze Segel-Touren, Besichtigung oder Sonstiges angeboten.

Von Harderwijk nach Spakenburg 14.6.15

Bevor wir weiterfahren, setze ich mich noch für eine halbe Stunde an meinen 'Schreibtisch' und schreibe Reisebericht. Erst jetzt, ganz am Ende der 4 Wochen, bin ich auf dem Laufenden. Das was ich gerade schreibe, haben wir gestern erlebt.

Trüb und nieselig ist es, als wir Harderwijk verlassen und dabei das Stadtpanorama mit Rathausturm, Kloster und Kirche, beide nur mit Dachreiter, betrachten können.

Oha, Angriff schwarzer Standups? Schnell weg!

Nach drei gemächlichen Stunden haben wir die 25 km bis Spakenburg geschafft. Unterwegs konnten wir gerade noch als letztes Boot in eine sehr große Schleuse schlüpfen, in der schon 9 andere Boote lagen und teilweise lange hatten warten müssen. Da haben wir Glück gehabt!

Wieder, wie meistens in den Niederlanden, können wir in der Zufahrt zum Hafen längsseits anlegen.

In Spakenburg

Im Ort ist der lange, gebogene Hafenschlauch ganz mit diesen Botters, wie diese alten Fischerboote heißen, gefüllt. Kein Wunder: hier in Spakenburg werden sie nämlich gebaut...

... oder repariert, so wie die, die hier auf der Helling liegen.

Die schöne, alte Werft mit den Botters um sie herum, prägt das Bild des Hafens, ist Anziehungspunkt für Touristen und kann besichtigt werden. Sie wird von der Stadt und vielen Sponsoren unterstützt, sonst wäre sie so nicht zu halten.
Das kleine Städtchen, das eigentlich aus zwei Orten zusammengesetzt ist und richtig Bunschoten-Spakenburg heißt, hat sonst nicht viel zu bieten.
Aber schon hierfür hat sich der Besuch des Ortes gelohnt!
Übrigens wieder ein Tipp von Anneke und Arno! Dank u well!!

Hier noch ein paar Eindrücke:

Mit ihren Botters sind die Fischer früher aufs Ijsselmeer zum Fischen gefahren, bzw. auf die Zuiderzee, wie es ja hieß, als es noch nicht eingedeicht war.
Ein Fischer-Denkmal darf hier natürlich nicht fehlen!

Von Spakenburg nach Amersfoort 15.6.15

Nur kurz fahren wir am nächsten Morgen von Spakenburg aus durchs letzte der Randmeren, dann biegen wir nach Süden ab in den kleinen Fluss Eem, der uns stellenweise an die Eider erinnert.
Mehrmals sehen wir bei Bauernhäusern hohe Stangen mit Seilrollen aus dem Dach einer Scheune oder eines Stalles ragen. Sollte damit das Dach angehoben werden? Bei Hochwasser? Aber wozu? Wir können es uns nicht erklären.

Hier liegen wir an der neugestalteten Promenade vor der Altstadt von Amersfoort, das uns auch von A+A empfohlen worden war. Um uns neue Gebäude (rechts ganz kleine 'Bienenwaben'-Wohnungen), alte Lastschiffe am rechten Ufer und hier links der gute neue Steg für die Sport- oder Plezierboote, zu denen unser BOREAL ja auch gehört. Sieht doch auch nach Pläsier aus, wie Tom da sitzt und seinen Joghurt genießt!
Danach dann: Stadtbesichtigung!

Toll, durch eine so schöne mittelalterliche Wehranlage in die Stadt zu kommen!
Eine Stadtplan-Information dazu mal auf niederländisch:

'De Koppelport: Deze goed bewaarde land-en waterpoort uit 1400 is een onderdeel van de voormalige stadsmuur. Bezoekers kunnen self het balkenschot in het water laten zakken. Te bezoeken of afspraak.'

Versteht man doch, oder!?

Dem Koppelpoort gegenüber liegt das kunsthistorische Museum Flehite.
Der Wasserlauf teilt sich davor und bildet mehrere Grachten, durch die man sich mit Rundfahrt-Booten schippern lassen kann.

Die St. Joris Kirche, eine 'herformde wijkgemeente (?) innerhalb der Protestantischen Kirche.

Diese Häuser sind zwar nicht drangebaut, kuscheln sich aber doch ziemlich ran an die Kirche.

Der fast 100m hohe Turm der Onze Lieve Vrouwe - Kirche, die es nicht mehr gibt. Nur die Umrisse der Säulen und Mauern sind auf dem großen Platz zu Füßen des Turms angedeutet.
300 Stufen muss man mit Führer hochsteigen, um von oben einen Blick auf die Stadt werfen zu können.
Ich werde zu Hause Treppensteigen trainieren, und wenn wir zur Weiterfahrt wiederkommen und mein Rücken ok ist, den Aufstieg wagen!
Immerhin habe ich vor vielen Jahren die mehr als 500 Stufen des Kölner Doms geschafft!

Jetzt wird an Bord gepackt und geputzt. Morgen sagen wir BOREAL tschüs, fahren mit einem Leihwagen nach Lübeck, laden in unser Auto um und sind dann abends zu Hause.
Zwei Wochen wollen wir dort Kinder, Vater, Freunde und Mitarbeiterinnen wiedersehen und allerlei erledigen.

Auf der nächsten Magazinseite beginnt der 2. große Reiseabschnitt mit dem Reiseteil 5
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